Frühlingsgefühle im Spätsommer

STEINACH. Die Schlammschlacht ist vorbei. Nach der turbulenten Anfangszeit hat sich Gemeindepräsident Roland Brändli in Steinach eingelebt. Er bleibt aber kritisch. So hinterfragt er die zu teuren Schulgebühren in Arbon.

Christoph Renn
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Der Steinacher Gemeindepräsident Roland Brändli an einem seiner Lieblingsplätze, beim Seepavillon. (Bild: Christoph Renn)

Der Steinacher Gemeindepräsident Roland Brändli an einem seiner Lieblingsplätze, beim Seepavillon. (Bild: Christoph Renn)

Seine Zeit in Steinach begann mit einer regelrechten Schlammschlacht. Nun fühlt sich Gemeindepräsident Roland Brändli im kleinen Dorf am Bodensee willkommen und heimisch. Erstens, weil er sich vom Grossteil der Bürger akzeptiert fühlt. Zweitens, weil er hier seine Familie gründet. «Ich bin vor gut einem Monat zum ersten Mal Vater geworden», sagt Brändli, und die ehrliche Freude erfüllt sein ganzes Auftreten. «Ich fühle mich wie frisch verliebt. Ich spüre einen ganzen Schwarm Schmetterlinge im Bauch, jedesmal, wenn ich meine Tochter Finja Moorea in den Armen halten kann.» Die Familie sei zu seinem Lebenszentrum geworden.

Die Arbeit und Verpflichtungen als Gemeindepräsident vernachlässigt Roland Brändli trotz emotionalem Höhenflug nicht. Doch eines hat sich durch die Geburt seiner Tochter verstärkt. «Steinach ist schon immer ein familienfreundliches Dorf gewesen. Diesen Aspekt möchte ich während meiner Amtszeit in den laufenden Projekten noch intensivieren», sagt Brändli.

Schade um den Schreiber

Brändli scheint wirklich begeistert. «Wir sind momentan sehr gut aufgestellt. Ich bin auch mit den laufenden und abgeschlossenen Projekten und der damit zusammenhängenden Arbeit sehr zufrieden.» Das Jahr sei bisher optimal verlaufen. Einen Dämpfer musste er aber hinnehmen. Gemeinderatsschreiber Bruno Helfenberger hat nach 37 Jahren in Steinach sein Amt gekündigt. «Das ist sehr schade», sagt Brändli. Der sportbegeisterte Gemeindepräsident zieht zu ihrem Verhältnis einen Vergleich mit dem Tennis herbei: «Er ist ein sehr guter Spieler, mit dem ich gerne im Doppel spielen würde. Doch leider hat das Zusammenspiel auf dem Platz zwischen uns einfach nicht richtig harmoniert.»

Brändli freut sich nun auf die Zusammenarbeit mit dem neuen Gemeindeschreiber Rolf Vorburger, der bisher als Stadtschreiber in Romanshorn gearbeitet hat. «Mit Vorburger haben wir einen guten Nachfolger gefunden», sagt Brändli. Wie sich die Zusammenarbeit entwickelt, wird sich zeigen.

Zeigen wird sich in näherer Zukunft auch, wo und wie die Steinacher Oberstufenschüler zur Schule gehen werden. Die von Arbon – wo die Steinacher momentan zur Schule gehen – geforderten 24'000 Franken pro Kopf sind für Steinach ein zu hoher Betrag. «Die Erhöhung kommt von einem Jahr aufs andere. Zudem haben die Arboner selber eine Steuerfusserhöhung abgelehnt», sagt Brändli. Gemäss damaligem Beschluss der St.Galler Regierung dürften Abschreibungen und Zinsen nicht eingerechnet werden. Dies sieht Arbon jedoch anders. Der Zwist zwischen den beiden Gemeinden liegt nun bei den Kantonen St.Gallen und Thurgau. «Ende September erwarten wir einen Entscheid», sagt Brändli. «Wenn Arbon recht bekommt, werden wir das akzeptieren.»

Konkret wird es bei einem Bauprojekt, das Brändli am Herzen liegt: die Zentrumsgestaltung. «Wir haben uns mit allen Einsprechern einigen können.» Nun gehe es endlich wieder vorwärts. Er prangert die Einsprecher jedoch nicht an. «Wir haben in den Gesprächen von einigen guten Punkten erfahren, die uns bei der ersten Projektierung nicht aufgefallen sind.» Die Zentrumsgestaltung habe sich so zwar verzögert, dafür verbessert. Wann die ersten Bagger auffahren, will Brändli nicht festlegen. «Im Verlauf des kommenden Jahres wird es so weit sein.»

Freude am sauberen Fluss

Ein Tag, der dem Gemeindepräsidenten viel Freude bereitet hat, war, als der Kanton St. Gallen die Steinach als sauberen Fluss bezeichnete. «Ich muss der Stadt für ihre Arbeit ein Kompliment aussprechen.» Nun sei die Gemeinde gefordert. «Die Tiere können zurückkommen, jedoch stehen noch einige bauliche Massnahmen an.» Bauten für den Hochwasserschutz und zur Verbesserung des Flusses werden die Gemeinde über zehn Millionen Franken kosten, wobei Bund und Kanton knapp zwei Drittel übernehmen. «Ich hoffe, dass die Bürger unserem Projekt, das wir ihr Ende 2016 vorstellen, zustimmen.»

Ebenfalls im kommenden Jahr soll es auch im Betreuten Wohnen Gartenhof in Steinach vorwärtsgehen. «Wir arbeiten mit Vollgas am Projekt», sagt Brändli. Verschiedene Abklärungen laufen. Etwas steht aber fest: Steinach hat zu wenige Plätze für pflegebedürftige Betagte. «Momentan können wir 29 Personen betreuen», sagt der Gemeindepräsident. Viel zu wenige. «Gerade im hohen Alter will man nicht mehr aus unserer schönen Gemeinde wegziehen.»