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Früher zog der Coiffeur auch Zähne

Reto Candio nahm die Besucher der Erzählstunde mit in seine Vergangenheit. Der ehemalige Marktplatz-Coiffeur erzählte im Ortsmuseum von seinem Beruf und wie sich dieser im Laufe der Jahrhunderte gewandelt hat.
Yvonne Aldrovandi-Schläpfer
Der pensionierte Marktplatz-Coiffeur Reto Candio zeigt, mit welchen Hilfsmitteln früher gearbeitet wurde. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

Der pensionierte Marktplatz-Coiffeur Reto Candio zeigt, mit welchen Hilfsmitteln früher gearbeitet wurde. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

AMRISWIL. Einmal mehr hat sich gezeigt, dass die Erzählstunden im Ortsmuseum auf grosses Interesse stossen. Rund 70 Besucherinnen und Besucher durfte Eugen Fahrni, Präsident des Ortsmuseums Amriswil, begrüssen. Reto Candio, der während 36 Jahren das Coiffeurgeschäft am Marktplatz in Amriswil geführt hat, wusste am Museumssonntag viel Spannendes aus früheren Zeiten zu erzählen.

Der Grossvater flickte Schuhe

Bereits sein Grossvater hatte sich für einen kreativen Beruf entschieden. Anfang des 20. Jahrhunderts sei dieser aus Verona in die Schweiz eingewandert, erzählte Reto Candio. In Bischofszell führte der gebürtige Italiener Umberto Candio eine Schuhmacherwerkstatt.

Der Coiffeurberuf wurde Reto Candio wohl in die Wiege gelegt. Denn seine Mutter war schon als Coiffeuse tätig. «Während der Schulferien durfte ich selber Hand anlegen und ihr behilflich sein», erzählte der ehemalige Marktplatz-Coiffeur schmunzelnd. Der Beruf des Coiffeurs habe eine lange Tradition. «Im Mittelalter gab es noch Badstuben. Dort kümmerten sich die Barbiere oder Bader um die Haare und Bärte, zogen aber auch Zähne und behandelten schwere Verletzungen», sagte Reto Candio. Im 16. Jahrhundert erlebten die Perücken einen grossen Aufschwung. Später wurde die Ondulation, das Wellen der Haare mit einer Brennschere, erfunden. Ein chemischer Umformungsprozess bildete die Erfindung der Dauerwelle. Doch nicht jede Frau konnte sich diese leisten. «Vor rund 90 Jahren kostete eine Dauerwelle schon etwa 30 Franken», betonte Reto Candio.

Systemhaarschnitte kamen auf

Früher wurden die Haare nach Gutdünken geschnitten. Vor knapp 50 Jahren erlebte der Coiffeurberuf eine grosse Revolution. Die elektrischen Haarschneidemaschinen kamen auf den Markt, und die exakten Systemhaarschnitte wurden von den Kunden bevorzugt.

Reto Candio übt seinen Beruf voller Leidenschaft aus und schätzt den Kontakt zur Kundschaft sehr. Vor bald zwei Jahren hat er seinen Salon pensionshalber an Fabienne Surber übergeben. Zu bestimmten Zeiten ist der passionierte Coiffeur aber nach wie vor im Einsatz. Zudem unterrichtet er mit einem Teilzeitpensum am Bildungszentrum für Bau und Mode in Kreuzlingen.

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