Frösche gerettet und Türme gebaut

Guido Leutenegger erzählte am Mittwochabend im Seemuseum Märchen und wahre Geschichten aus dem Seeburgareal. Der Altstadtrat hat im Park viele Spuren hinterlassen.

Désiree Müller
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Guido Leutenegger erzählt, das Publikum hört gespannt zu. (Bild: Desirée Müller)

Guido Leutenegger erzählt, das Publikum hört gespannt zu. (Bild: Desirée Müller)

KREUZLINGEN. Guido Leutenegger stellt sich vor die Gäste und lächelt wissend. «Märchen sind mir lieber als wissenschaftliche Berichte», sagt der landwirtschaftliche Unternehmer und grinst. Das gebe seinen Geschichten mehr Spielraum. Was er in der nächsten Stunde berichtete, entsprach aber durchaus der Wirklichkeit. Hintergrundgeschichten, wie man sich bisher noch nicht zu hören bekam – verfeinert mit einer Prise Humor.

Oben grün, unten Abfall

Ein auf die Leinwand projiziertes Schwarzweissbild um das Jahr 1958 zeigt das majestätische Schloss Seeburg inmitten von Grünflächen. Es lag damals noch direkt am See. Im Saal geht sofort das Gemurmel los. Das Bild steht in keiner Ähnlichkeit zum heutigen Seeburgareal. Mit seinen romantischen Wegen, Teichen und dem Tierpark ist es heute der Naherholungsort für die Bevölkerung. Dass sie beim Spazieren eigentlich über Kühlschränke, Kehricht und Bauschutt läuft, weiss zumindest die jüngere Generation nicht mehr.

Für Guido Leutenegger war die Entwicklung des Areals seit seiner Jugend ein grosses Abenteuer. «Während der Aufschüttungsarbeiten retteten meine Kollegen und ich vom WWF Panda Club Frösche aus dem Kehricht.» Viel hätten sie zwar nicht bewirkt, aber die Begeisterung für die Natur zeigte sich bei ihm bereits in jungen Jahren. Wenn er heute durch den Park laufe, erkenne er viele von seinen Werken wieder. Der Aussichtsturm, die Wollschwein-Insel, die Hochlandrinder oder der Amphibienpfad; alles Ideen des kreativen Kopfs.

Erfinder der Wollschwein-Insel

«Man muss aber nicht glauben, dass das alles geplant war. All dies geschah durch Zufall», erzählt er und erklärt weiter: «Der Aussichtsturm zum Beispiel. Die Stadt suchte nach einem Geschenk für die Bevölkerung im Millenniums-Jahr. Der Amphibienpfad wurde gebaut, um leichter an die WC-Anlage zu kommen, und dank der Hochlandrinder kann viel Geld bei der Beweidung gespart werden. Und die Wollschweine schaffen mit ihrem Wälzen im Schlamm Nistplätze für seltene Vogelarten.»

Dazu kommt Leutenegger eine Geschichte in den Sinn. «Am ersten Wochenende nach der Ankunft der Wollschweine ging ich ins Seeburgareal. Da standen Tausende Menschen. Ich dachte, es läuft ein Fussballspiel, aber die wollten alle die Schweine sehen», sagt Leutenegger. Dass sogar die «Washington Post» einen Artikel über die Wollschwein-Insel brachte, erwähnt er bescheiden nur am Rande.

«Für mich war heute vieles neu. Es war wahnsinnig spannend», sagt Annemarie Bär begeistert. Elma Lorenz kennt Guido Leutenegger von früher. «Er war unser Nachbarsbub, und wir bewunderten immer schon seinen Elan und seinen Mut.»

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