FRILTSCHEN: 22 Jahre für die Katz

Im Katzenferienheim Catsholidays geniessen Samtpfoten individuelle Betreuung und Einzelgehege. Gründerin Yvonne Christen übergibt ihren Betrieb bald in andere Hände und wandert aus nach Spanien.

Yvonne Aldrovandi-Schläpfer
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TV-Reporter Beni Thurnheer holt seine Katze Whisky ab bei Yvonne Christen, Besitzerin des Katzenferienheims. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

TV-Reporter Beni Thurnheer holt seine Katze Whisky ab bei Yvonne Christen, Besitzerin des Katzenferienheims. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

Whisky kommt herbeigelaufen. Zum letzten Mal verwöhnt Yvonne Christen ihren Stammgast mit Streicheleinheiten. Brav sei die Hauskatze gewesen. Die 16-jährige Whisky verbrachte die vergangenen sechs Wochen in einem eigenen Loft im Katzenferienheim Catsholidays in Friltschen – inmitten von Kratzbäumen, Körben und Spielzeug. TV-Reporter Beni Thurnheer holt Whisky an diesem Abend wieder zu sich nach Hause. Für die Fernsehlegende und sein Büsi gehen die Ferien zu Ende.
«Während der Sommermonate herrscht hier Hochbetrieb», erzählt Yvonne Christen, die Besitzerin des Katzenferienheims. Bereits klingelt wieder das Telefon – eine Frau erkundigt sich nach einem Ferienplatz für ihren Stubentiger. Da die meisten Gastkatzen zu Hause als Einzeltiere gehalten werden, bietet Yvonne Christen nur Einzelgehege an. Eine Gemeinschaftsunterkunft würde zusätzlichen Stress für die Tiere bedeuten, ist sie überzeugt. Die Katzenpension verfügt über 42 grosse, lichtdurchflutete Einzelgehege, die durch Gitter voneinander getrennt sind.

Aufbau mit Hilfe des fleissigen Vaters

«Anfangs war hier ein Stickereibetrieb, später eine Schuhfabrik. Das Haus wurde 1871 erbaut», sagt Christen. Im einstigen Stickereigebäude bietet die gelernte Tierpflegerin seit März 1995 Ferienbetreuung für Katzen an. Sie mag sich noch gut an die Anfangszeiten erinnern. Der Hauskauf habe bei Familie und Freunden allgemeines Kopfschütteln ausgelöst, denn die Liegenschaft sei in einem erbärmlichen Zustand gewesen. Einzig ihr Vater Emil Christen habe sich darüber gefreut. Als Schreiner und Zimmermann konnte er bei den Renovierungsarbeiten selber Hand anlegen. «Ohne ihn hätte ich diesen Schritt wohl kaum gewagt.»
Zu Beginn habe das Geschäft geharzt. Bloss wenige Katzen logierten im Pfotenhotel. Damals wurden aber nicht nur Feriengäste betreut, sondern auch herrenlose Büsis. Insgesamt seien es etwa 500 Katzen gewesen, die im Ferienheim vorübergehend ein Zuhause bekamen. Inzwischen muss sich Yvonne Christen nicht mehr über zu wenig Gastkatzen beklagen. Die Mundpropaganda bescherte ihr im Laufe der Jahre eine Vielzahl von Kunden. Teilweise kämen die Leute von weit her, um ihren Liebling zu bringen. «Ich habe Kunden aus Glarus, dem Bündnerland und sogar aus dem Tessin», führt sie aus. Das Catsholidays sei vermutlich das grösste Katzenferienheim mit Einzelgehegen der Schweiz.

Selber geht Christen nie in die Ferien

Die Arbeitstage seien meistens sehr lang. Um halb sieben Uhr wird mit der Arbeit begonnen, etwa um 22 Uhr gibt es Feierabend. Im Sommer ist Yvonne Christen oft bis nach Mitternacht mit ihren Feriengästen beschäftigt. Die Katzen bekommen Nass- und Trockenfutter oder auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Mahlzeiten. «In diesen Wochen reinige ich täglich rund 200 Fressnäpfe», sagt sie. Zudem fällt viel Wäsche an – Tücher, Decken und Lappen. Unterstützt wird sie von zwei Frauen, die eine Teilzeitanstellung haben. Ferien ist für die 65-jährige Katzenmutter selbst ein Fremdwort, Freizeit habe sie in den vergangenen 22 Jahren nur wenig gehabt.
Die Tierpflegerin ist froh, dass sie einen kompetenten Betreiber für das Katzenferienheim gefunden hat. Sie verkauft ihre Pension, die ohne Unterbruch weitergeführt wird. In wenigen Wochen wird Yvonne Christen in ihre neue Heimat reisen. Dann heisst es Abschied nehmen von Friltschen und den Feriengästen. Es waren etwa 1000 Katzen, die sie in all den Jahren kennengelernt hat. Mit ihrem Partner und ihren sieben Katzen zieht Christen nach Spanien, wird dort in einer Finca wohnen. «Ich freue mich auf die Wärme, das Meer und das Leben dort.» Und wer kümmert sich in Spanien um die herrenlosen, streunenden Katzen? «Am besten gehe ich dann nicht mehr aus dem Haus», sagt Yvonne Christen und lacht.