Freude und Frust an der Aach

ROMANSHORN. Die Aachfischer haben die Laichbedingungen für gewisse Fischarten verbessert. Sie schütteten dazu 60 Tonnen Kies ins Gewässer. Ein herber Rückschlag war für sie, als Ende August Tausende Fische an einer Vergiftung starben.

Luisa Gomringer
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Ein neues Kiesbeet in der Aach. (Bild: pd)

Ein neues Kiesbeet in der Aach. (Bild: pd)

Die Entwicklung der Biodiversität in der Aach zwischen Romanshorn und Salmsach ist eine eigentliche Erfolgsgeschichte, sagt Jürg Marolf von den Aachfischern. Ein wesentlicher Teil dieser Erfolgsgeschichte sei, dass einheimische Fische natürlich verlaichen könnten. «Allein 60 bis 80 Seeforellen laichen in der Aach. Ausserdem Barbe, Hasel, Strömer und andere mehr», sagt Marolf.

Zum drittenmal Kies eintragen

Das ist auch das Verdienst der Fischer. Weil die Aach in weiten Teilen stark verbaut ist, wird auf natürlichem Weg nur wenig Kies ins Gewässer eingetragen. Für gewisse Fische ist das jedoch von entscheidender Bedeutung. Sie legen ihre Eier nur auf Kies ab. «Bei Seeforellen muss es grober Kies sein», sagt Marolf. In den vergangenen zehn Jahren konnten die Aachfischer in Zusammenarbeit mit dem Kanton und der Fischereiaufsicht bereits zweimal Kies in die Aach einbringen.

Ende September kippten sie nochmals 60 Tonnen in den Bach. Auslöser war, dass durch ein Hochwasser feines Material wie Sand in die Aach eingetragen wurde, das die Laichplätze überdeckte und damit zunichte machte. Nach Vorbereitungsarbeiten und Begehungen mit der Fischereiaufsicht und dem Amt für Umwelt wurden die Orte für den Kieseintrag und das Vorgehen bestimmt.

Die Freude der Fischer über die ökologische Aufwertungsmassnahme hielt sich aber in Grenzen, denn Ende August waren Tausende Fische vergiftet worden.

«Noch nie erlebt»

Einem Passanten fielen auffällig viele tote Fische auf, worauf er sich beim Fischereiaufseher meldete. Die Tiere dürften etwa zwölf bis 24 Stunden davor erstickt sein.

Eine Gruppe von Anglern machte sich in der Folge auf, um den Fischbestand im beeinträchtigten Gebiet zu überprüfen. Das Ergebnis war niederschmetternd. «In meinen 18 Jahren hier ist noch nie eine solche massive Fischvergiftung in der Aach vorgekommen», sagt Fischereiaufseher Markus Zellweger. Zwei Kilometer lang konnte mit der elektrischen Abfischung kein Fisch nachgewiesen werden. Das Gift vernichtete gemäss Marolf einen grossen Teil des Fischbestandes zwischen Hungerbühl und Bodensee.

Für die Fischer ist klar, aus welcher Leitung das Gift in die Aach geflossen ist. Oberhalb dieses Punktes fanden die Fischer bei der Kontrolle massenhaft Fische. Da sie jedoch keinen genauen Beweis für ihre Vermutung hätten, könne keine Anzeige erstattet werden, sagt Zellweger.

Behalten Situation im Auge

Er und die Fischer würden die Situation aber im Auge behalten. «Ich hoffe, dass die Leitung saniert oder an eine Kanalisation angeschlossen wird», sagt Jürg Marolf. «Hätten wir die Vergiftung früher bemerkt, würde es jetzt vielleicht nicht ganz so schlimm sein», sagt Zellweger. Deshalb bittet er die Bevölkerung, wachsam zu sein und sich bei der Polizei zu melden, sobald ein paar tote Fische in einem Gewässer treiben.