Freizügiges Schlafen im Stroh

Der Berner-Verein führt an zwei Theaterabenden «Diamanten im Stroh» auf. Das Lustspiel besticht durch ausgefeilte Regie und brillante Besetzung der Rollen. Auch das Make-up ist gekonnt.

Hedy Züger
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Berner Bauern-Leben auf der Theaterbühne. (Bild: Hedy Züger)

Berner Bauern-Leben auf der Theaterbühne. (Bild: Hedy Züger)

Theater hat beim Berner-Verein Tradition. Den ersten der beiden Theaterabende leitete der Verein mit einer Tonbildschau ein. Von Bern auf die Blüemlisalp, von Burgdorf bis zum Brünig-Schwinget und aufs Brienzer Rothorn führte die Tour de Berne.

Rote Hosen als Markenzeichen

Im Dreiakter «Diamanten im Stroh» sprechen nicht alle Mitspieler Berndeutsch, die Sprache der Rolle verkörpern indessen alle auf das beste. Regie führt Niklaus Hugi, er setzte die Darsteller im «Mattehof» auf die richtigen Plätze.

Als origineller Spieler ist Hans Schläpfer sogleich der Liebling der Nation, sein Make-up unterstützt den Charakter. Die roten Hosen wirken als Markenzeichen des Bühnenstücks, verunsichern auch den Stier auf der Weide und verlieren sich erst aus den Augen, als im letzten Akt die Diamanten ins Geschehen eingebaut werden. Glänzend agiert die Schwatzbase, sie ist ein fester Wert vom Start weg.

Viel Witz verbreitet der schwerhörige Bauer, der phantasievoll ummodelt, was er nur ansatzweise verstanden hat. Seine Gattin ist beunruhigt, denn der freizügige Pullover der Bikerin, angemeldet für das Schlafen im Stroh, bleibt auf ihn nicht ohne Wirkung. Reizvoll ist die Szene, als sich die alternde Bäuerin ans eigene Liebeswerben erinnert und gute Ratschläge weitergibt.

Das Stück bringt die Problematik mit dem Auskommen der Bauern auf die Bühne, die verwitwete Jungbäuerin muss nicht nur Verehrer ertragen, sondern auch Existenzsorgen. Als Bewunderer nähern sich der jungen Frau zwei Extreme: ein dreister Prediger und ein scheuer Polizist.

Die Welt ist eine Bühne

Der Titel des Stücks, «Diamanten im Stroh», hat mit dem Männerpaar zu tun, das keine Neigungen zu Frauen bekundet. Das Kichern im Publikum sagt darüber mehr als Worte.

Auch eine Managerin möchte sich auf dem Hof nützlich machen – und unterschätzt die Ausflugslust der Hühner. «Ich bin Künstler, kein Hühnerhabicht», mault Roman, der sich am Einfangen der flatternden Ausreisser beteiligt. Das merkt man: Die Hühner scheinen nach seinem Einsatz keine Federn mehr zu haben, an ihm und selbst am Prediger haften sie rundherum.

Zweite Aufführung: Samstag, 13. November, ab 19 Uhr, Pfarreizentrum Bahnhofstrasse

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