«Freiwilligenarbeit tut allen gut»

Zu einem vorläufigen Abschluss des Freiwilligenjahres trafen sich letzte Woche 58 Romanshorner zu einem Gedankenaustausch. Freiwilligenarbeit sei günstig, aber wertvoll, sagte Medienwissenschaftler Thomas Merz-Abt.

Markus Bösch
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ROMANSHORN. Es sind die vielen Begegnungen, die Erfolgserlebnisse und die Bewältigung von Schwierigkeiten, die den Wert der Freiwilligenarbeit ausmachen.

Auf dem Hintergrund seiner eigenen Erfahrungen präsentierte Medienwissenschaftler Thomas Merz-Abt den Vertretern der zahlreichen Vereine und Gruppierungen Qualitäten der Freiwilligenarbeit: «Sie stecken viel Energie rein und entsprechend lange trägt Sie dieses Engagement.» Für die Motivation wichtig sei es, auf ein gemeinsames Ziel hinzuarbeiten und das Gefühl zu haben, dabei zu sein.

Freiwilligenarbeit sei zwar kostengünstig, sagte Merz-Abt. Wichtiger seien aber Lernerfahrungen und «die echten Dienstleistungen», die erbracht würden.

3000 Freiwillige in Romanshorn

Freiwilligenarbeit tue allen gut und sei für alle Beteiligten wertvoll, stellte Merz-Abt fest. Den Freiwilligen solle etwas zugetraut werden und sie sollen für ihr Tun Wertschätzung erhalten – mit dem Sozialzeitausweis oder auch mit Dienstleistungen, die ihnen zugute kommen.

In Romanshorn dürften es hochgerechnet gegen 3000 Menschen sein, die in formeller (Vereine) und informeller (Nachbarschaftshilfe) Form Freiwilligenarbeit leisten.

Wird schwieriger

Nach dem Austausch in drei Workshops (Medien, Anerkennung, Instrumente) hatten auf einem Podium sechs Freiwillige Gelegenheit, sich zu ihrem Einsatz zu äussern. Aus Sicht von Martin Müller (Fussballclub)werden die Vereine heute zunehmend konsumiert – ganz im Sinn der gesellschaftlichen Entwicklung. Für Sybille Hug (Katholische Frauengemeinschaft) und Helena Städler (Gemeinnütziger Frauenverein) wachsen Freiwillige mit dem Engagement, und es gebe oft win-win-Situationen. Gleichwohl sei es schwieriger, dass Menschen sich verbindlich in der Vorstandsarbeit einbringen, sagte Hans Hagios (Klub der Älteren).

Frauen in die Vorstände

Die Anforderungen in Beruf, Familie und freiwilligem Einsatz nehmen zu, sagt Thomas Merz, und Margrith Keller vom Thurgauer Freiwilligenzentrum erkennt eine sinkende Vorbildfunktion der Eltern. Sie möchte Frauen vermehrt in Leitungsfunktionen der Vereine sehen, denn «Hausfrauen und Mütter sind prädestiniert dafür».

Gerade darum sei dieses Jahr der Freiwilligenarbeit so wichtig, waren sich Gemeinderätin Käthi Zürcher und die katholische Gemeindeleiterin Gaby Zimmermann einig. «Damit wird Ihr Tun und Ihr Einsatz ernst genommen und geschätzt.»