Frauen schreiben Geschichte

ROMANSHORN. Im Romanshorner Museum ist eine Sonderausstellung zum 150-Jahr-Jubiläum des Gemeinnützigen Frauenvereins zu sehen. Es ist die Geschichte von starken, initiativen und fleissigen Frauen, die ihrer Zeit teils weit voraus waren.

Markus Schoch
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Sie haben die Ausstellung gestaltet: Filmemacherin Monica Schär-Riedle, Vereinspräsidentin Irmgard Schönenberger, Vorstandsmitglied Brigitte Zellweger sowie Max Brunner, Ruedi Meier, Otto Bauer und Hermann Roth von der Museumsgesellschaft. (Bild: Markus Schoch)

Sie haben die Ausstellung gestaltet: Filmemacherin Monica Schär-Riedle, Vereinspräsidentin Irmgard Schönenberger, Vorstandsmitglied Brigitte Zellweger sowie Max Brunner, Ruedi Meier, Otto Bauer und Hermann Roth von der Museumsgesellschaft. (Bild: Markus Schoch)

Vieles hat sich in den 150 Jahren beim Gemeinnützigen Frauenverein geändert. Eines ist gleich geblieben: Er hilft dort, wo Hilfe nötig ist.

Am Anfang ging es um den Aufbau einer Arbeitsschule, wo die Frauen Strümpfe flickten, Socken strickten oder Hemden nähten für arme Soldaten. Doch dabei liessen sie es nicht bewenden. Bereits fünf Jahre nach Vereinsgründung eröffneten die Frauen einen Kindergarten und stellten auf eigene Kosten eine Kindergärtnerin an. Später kam der Kampf für die Rechte der Frauen und anderes mehr dazu. Im Zentrum stand aber immer das soziale Engagement. So auch beim Kauf des Schlosses Romanshorn (siehe separater Text).

Börse bringt viel Geld ein

Heute ist der Betrieb einer Kinderartikelbörse einer der tragenden Pfeiler des Vereins mit seinen 330 Mitgliedern. In den letzten 20 Jahren erwirtschafteten die Frauen damit rund 440 000 Franken. Davon gingen rund 275 000 Franken als Vergabung an diverse Organisationen am Ort und darüber hinaus, 80 000 Franken erhielten Einzelpersonen oder Familien als Soforthilfe in einer schwierigen Situation.

Weiter betreibt der Gemeinnützige Frauenverein zusammen mit anderen einen Mahlzeitendienst, er führt eine Wintersportartikelbörse durch, organisiert eine Weihnachtsfeier für Alleinstehende und sorgt in der Alterssiedlung Holzenstein für Abwechslung bei den Pensionären, denen Frauen vorlesen und mit denen sie singen.

Ein Film zur Geschichte

Die Sonderausstellung im Museum, die am kommenden Freitag eröffnet und von Sponsoren finanziert wird, zeichnet diese Entwicklung nach – auf Schautafeln und in einem 45minütigen Film. Gedreht hat ihn Monica Schär-Riedle aus Kreuzlingen anlässlich des Jubiläums. Durch die sehr gut dokumentierte Vereinsgeschichte führt die ehemalige langjährige Präsidentin Anni Britt sowie Gisela Fischer als ehemalige Präsidentin der Betriebskommission. Die historischen Texte liest Max Brunner, der Präsident der Museumsgesellschaft.

Sechs starke Frauen

Die Besucher des Museums lernen in der Ausstellung unter anderem auch sechs starke Frauen kennen, die Geschichte geschrieben haben und stellvertretend für alle Frauen stehen, wie Hermann Roth von der Museumsgesellschaft betont. Es sind Lucie Bänziger-Bardy (1877– 1958), die Initianten des Schlosskaufes, Dora Labhart-Roeder (1897–1992), die sich vor Bundesgericht das Recht erkämpfte, als selbständige Anwältin tätig zu sein, Emmi Deutsch (1910– 1993), eine hochbegabte Musikerin, Marie und Hanni Eberhard (1902–1992 beziehungsweise 1905–1996), die ein privates Kinderheim führten, sowie Martina Hälg-Stamm (1914–2011), die erste Frau im Thurgauer Grossen Rat.

Die Ausstellung im Museum am Hafen läuft vom 26. April bis Ende September. Sie ist am Sonntag von 14 bis 17 Uhr geöffnet, in den Monaten Juli und August sowie am 5. September auch am Samstag zwischen 11 und 15 Uhr. Führungen gibt es auf Anfrage.

Schloss Romanshorn. (Bild: Nana do Carmo)

Schloss Romanshorn. (Bild: Nana do Carmo)