Frauen-Leck im Parlament

ARBON. Nur ein Drittel der Kandidaten für das Arboner Stadtparlament sind Frauen. Auf der Suche nach Gründen, kommen die Arboner Politikerinnen zu einem Konsens: Frauen in der Politik sind wichtig, eine Frauenquote würde aber nichts ändern.

Michèle Vaterlaus
Merken
Drucken
Teilen
Claudia Zürcher (l.) ist bereits die vierte Parlamentspräsidentin. Auf sie soll Elisabeth Tobler folgen. (Bild: Max Eichenberger)

Claudia Zürcher (l.) ist bereits die vierte Parlamentspräsidentin. Auf sie soll Elisabeth Tobler folgen. (Bild: Max Eichenberger)

Arbon. Am 20. März sind in Arbon Parlamentswahlen. Lediglich 22 Frauen stellen sich auf einer der fünf Listen zur Verfügung. Das entspricht einer Quote von rund einem Drittel. 2007 machten die Frauen knapp die Hälfte aller Kandidaten aus. Doch der Grund, warum Frauen weniger Interesse an einer politischen Kandidatur haben, ist nicht einfach zu orten.

Der politische Ton

«Möglicherweise liegt es am politischen Ton», sagt Inge Abegglen (SP). In der Politik werde mit harten Bandagen gekämpft. «Frauen mögen das weniger, während Männer eher konfrontationsfreudig sind.»

Einen zweiten Punkt nennt Margrith Bollhalder Schedler (SVP). «Durch die Emanzipation haben viele Frauen anspruchsvolle berufliche Verpflichtungen. Dazu kommt noch die Familie», sagt sie. Bei dieser Doppelbelastung werden Prioritäten gesetzt.»

Ein drittes Argument nennt Silke Sutter Heer (FDP). «Ich kann mir vorstellen, dass viele Frauen zu wenig Selbstvertrauen für eine Kandidatur haben.» Das Argument «das kann ich doch nicht» habe sie in ihrer politischen Laufbahn seltener von Männern gehört – eher von Frauen.

Weniger Engagement

Engagierte Leute seien heutzutage schwer zu finden, meint Margrith Bollhalder. «Vereine zum Beispiel haben das gleiche Problem wie die Politik.

» Das sei jedoch unabhängig vom Geschlecht. In der heutigen Konsumgesellschaft würde man viel mehr abwägen «was habe ich davon?». Früher hätte man eine 30er-Liste für Parlamentskandidaten in null Komma nichts gefüllt. Silke Sutter Heer weiss, dass in die Suche nach Parlamentskandidaten viel Arbeit investiert werden muss. «Absagen habe ich aber nur von Leuten erhalten, die bereits sehr engagiert sind.» Aus Lustlosigkeit habe ihr niemand einen Korb gegeben.

Frauenquote ist kein Thema

Überzeugt sind alle: Frauen brauche es in der Politik. «Die Geschlechter haben unterschiedliche Blickwinkel und gewichten anders», sagt Erica Willi (SP). Männer wie auch Frauen sollten daher gleichermassen in der Politik vertreten sein. Rosmarie Wenk (CVP) ist überzeugt: «Es braucht Jung und Alt, Mann und Frau sowie rationale und gefühlsbetonte Menschen.» Deshalb halte sie nichts von einer Frauenquote.

Eine Frauenquote würde auch Margrith Bollhalder ablehnen. Jedoch aus einem anderen Grund. «Ich setze vor dem Geschlecht auf Qualifikation und Know-how.» Dass die Kompetenzen am wichtigsten seien, habe sie im Berufsleben als Personalchefin und als Geschäftsleiterin erfahren. Skeptisch ist auch Silke Sutter Heer. «Was bringt eine Frauenquote, wenn die Frauen nicht wollen?»

Das Parlament als Chance

Um das Frauen-Leck zu füllen, sollten junge Frauen motiviert werden. Doch wie? Rosmarie Wenk würde junge Frauen über ihre Kinder motivieren, sich in der Politik zu engagieren. «»Es geht doch um die Zukunft ihrer Kinder, die sie so mit beeinflussen können», sagt sie.

Für junge Menschen ist das Stadtparlament eine Chance, politische Erfahrungen zu sammeln. Der Mix aus alten Hasen und jungen Einsteigern sei optimal, sagt Silke Sutter Heer. «Man ist nicht auf sich alleine gestellt, sondern arbeitet im Team.

» Erica Willi ist überzeugt: «Manchmal müssen die älteren Politiker den jüngeren Platz machen.» Immerhin: Im Juni wird mit Elisabeth Tobler bereits die fünfte Frau den Vorsitz im Parlament haben. Ihre Vorgängerinnen waren Erica Willi, Trudy Aepli, Rita Anderes und die amtierende Parlamentspräsidentin Claudia Zürcher.