Frau Sauter auf grosser Fahrt

Anita Sauter hat dank eines Hirnschrittmachers ein Stück weit ihr altes Leben zurückerhalten. Und ihr grosser Traum ist in Erfüllung gegangen: Sie konnte in einem Lastwagen mitfahren.

Markus Schoch
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Anita Sauter mit Chauffeur Dominik Baumgartner vor dem Last- wagen, mit dem sie gemeinsam unterwegs waren. (Bild: Markus Schoch)

Anita Sauter mit Chauffeur Dominik Baumgartner vor dem Last- wagen, mit dem sie gemeinsam unterwegs waren. (Bild: Markus Schoch)

ROMANSHORN. Es ist alles so gekommen, wie es sich Anita Sauter gewünscht hat. Die Romanshornerin liess sich genau gestern vor einem Jahr einen Hirn-schrittmacher implantieren, nachdem die Medikamente immer weniger gewirkt hatten und sie teilweise wie festgefroren war. Die 55-Jährige leidet an Parkinson. Dank des komplizierten chirurgischen Eingriffes geht es ihr wieder viel besser. Sauter konnte sogar wieder in die Ferien nach Gran Canaria fliegen und zum Campen nach Italien fahren.

Im Sommer erfüllte sich dann auch noch ihr grösster Traum, nachdem sie schon fast nicht mehr daran geglaubt hatte. Anita Sauter durfte in einem grossen Lastwagen mitfahren.

«War sensationell»

Den Traum Wirklichkeit werden lassen hat die Uttwiler Firma Züllig Agro Trans AG. Mitgespielt hat der Zufall: Ein Bekannter hatte Sauter im Ausgang gesagt, sie solle sich doch dort melden. Was sie tat – und tatsächlich eine Mitfahrgelegenheit erhielt.

«Wir machen das hin und wieder», sagt Stefan Züllig, der mit seinem Bruder den Betrieb leitet. Doch die Chemie in der Fahrerkabine müsse stimmen. Und meist seien es Tagestouren.

So war es auch bei Anita Sauter. Die Fahrt wird sie nie mehr vergessen: «Es war sensationell.» Man sitze weit oben über den meisten anderen Verkehrsteilnehmern. Und dann die Manöver auf engstem Raum: Millimeter-Arbeit, die Chauffeur Dominik Baumgartner mit seinem 460 PS-Truck geleistet habe. «Ich bin tief beeindruckt.»

Der Respekt vor ihm und seinen Kollegen sei nach dem Tag auf dem Beifahrersitz noch grösser geworden, sagt Sauter. «Sie haben eine grosse Verantwortung mit ihren grossen, tonnenschweren Fahrzeugen.»

Einmal ist keinmal

Sauter steht gewöhnlich um 5.30 Uhr auf. Doch an ihrem Glückstag war sie zu dieser Zeit bereits unterwegs. Am Morgen um 5 Uhr ging es los nach Bern mit Luftwäschern als Ladung. Und dann mit Festmaterial wieder zurück, das Baumgartner in Adelboden holte.

«Ich würde sofort wieder mitfahren», sagt Sauter. Auch wenn sie aufs Maul habe sitzen müssen. «Die Chauffeure sind es nicht gewohnt, dass jemand dabei ist und ständig redet.» Kein Problem, sagt Baumgartner. «Es war sehr angenehm.»