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Fräulein Antjes Kunst wird fehlen

Am dunkelsten Tag des Jahres, am 20. Dezember, starb Antje Herbrechtsmeier nach einem reichen Leben im Alter von 83 Jahren im Spital Münsterlingen.

Am dunkelsten Tag des Jahres, am 20. Dezember, starb Antje Herbrechtsmeier nach einem reichen Leben im Alter von 83 Jahren im Spital Münsterlingen.

1927 geboren als Jüngste von drei Geschwistern, ist sie in Varel aufgewachsen, einer kleinen Stadt im Friesland. Eine kindliche Verbundenheit mit der Natur und eine immer wieder neu staunende Beobachtungsgabe ist ihr zeit ihres Lebens erhalten geblieben.

Auf das Theater gekommen

Ihre behütete Kindheit in der Künstlerfamilie – der Vater war Zeichen- und Musiklehrer, die Mutter Kunstmalerin – wurde 1933 erschüttert durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten. Wer ihren Erzählungen lauschte, konnte erahnen, welchen unlösbaren Zwiespalt das für ihr Aufwachsen bedeutete. Musik und Zeichnen beflügelten die junge Antje, aber ihr Vater beschloss, dass sie etwas «Vernünftiges» lernen sollte: Töpferin. So besuchte sie die Keramikfachschule in Bremen.

Auf der Suche nach Arbeit kam sie an den Bodensee, trat ihre erste Stelle in Kreuzlingen bei der Keramikfirma Burkhart an und 1957 als Beschäftigungstherapeutin im Atelier des Sanatoriums Bellevue. In vielem war die Klinik ein Laboratorium für neue Therapien, und «Fräulein Antje» beteiligte sich aktiv, zum Beispiel an einem Literaturkreis, aus dem eine Theatergruppe und später das Theater an der Grenze entstand.

1971 machte sie sich mit dem Einrichten von Antjes Töpferei an der Hauptstrasse 55 in Kreuzlingen selbständig. Hier entstand eine Fülle von Keramik, und hier experimentierte sie mit allen Arten von Formen, Farben und verschiedensten Verfahren. Neue Ideen schöpfte sie aus fortlaufendem Studium und aus vielen Reisen. Der Austausch mit anderen Kunstschaffenden war für sie zentral.

Ihre Töpfergruppen trafen sich über Jahre, wurden zu gesellschaftlichen Ereignissen, und viele Gemeinschaftswerke entstanden.

Bis zuletzt aktiv

Antjes Töpferei war über fast 40 Jahre im Versteckten und im Wortsinn «abseits der Hauptstrasse» ein Ort der Handwerkskunst und der Begegnung. Trotz Einschränkungen in den letzten Jahren durch zunehmende Gelenksbeschwerden, dann durch wiederholte Hirnschläge blieb Antje Herbrechtsmeier bis in ihre letzten Lebensmonate geistig und künstlerisch aktiv.

Ein letztes Bild blieb unfertig, ebenso ein letztes Gedicht. Die letzten Zeilen klingen wie ein Abschied von dieser Welt: «Adieu du bunte Blumenwiese, wohl keine ist so schön wie diese.»

Hans-Rudolf Müller-Nienstedt

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