Fortbestand der Schützenvereine steht auf Messers Schneide

Nach dem wuchtigen Nein der Bischofszeller Gemeindeversammlung zum Baubeitrag für eine neue Kurzdistanz-Schiessanlage herrscht in den Reihen der Sportschützen und des Pistolenclubs Ratlosigkeit.

Georg Stelzner
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Teilen das gleiche Schicksal: Der Pistolenclub (links), die Stadtschützen (Mitte) und die Sportschützen haben auf Bischofszeller Boden keine Gelegenheit mehr zum Schiessen. (Bild: pd)

Teilen das gleiche Schicksal: Der Pistolenclub (links), die Stadtschützen (Mitte) und die Sportschützen haben auf Bischofszeller Boden keine Gelegenheit mehr zum Schiessen. (Bild: pd)

BISCHOFSZELL. 2011 wird der Pistolenclub Bischofszell 100 Jahre alt. Diesem Jubiläum steht nach menschlichem Ermessen nichts im Wege, doch ob die Mitglieder überhaupt noch Lust haben werden, diesen runden Geburtstag zu feiern, ist fraglich. «Die Ablehnung des Baubeitrags bedeutet mittelfristig das Ende unseres Clubs», spricht Paul Etter Klartext. Auswärts zu schiessen, sei mit einem erheblichen Aufwand verbunden und für die Mitglieder alles andere als attraktiv.

Derzeit kann zwar die Anlage in Weinfelden benützt werden, doch geht der Präsident des Pistolenclubs davon aus, dass auch dies nur noch ein Jahr lang möglich sein wird. Für eine neue Anlage auf Bischofszeller Boden sieht Etter nach dem klaren Verdikt vom vergangenen Mittwoch praktisch keine Chance mehr. «Ich bin enttäuscht, muss den demokratischen Entscheid aber akzeptieren», sagt Etter.

Wo blieb die Solidarität?

Auch Bernhard Bischof, Präsident der 1945 gegründeten Sportschützen Bischofszell, gibt zu verstehen, dass die Existenzfrage jetzt akuter sei denn je. Ein, zwei Jahre werde man noch auf der Anlage in Halden schiessen können, doch dann sei auch dort Schluss. «Der Landbesitzer hat zu verstehen gegeben, dass er keine dauernde Mehrbelastung durch den Schiessbetrieb wünscht.

» Am Sinn, sich anderswo einzukaufen, zweifelt Bischof unter Hinweis auf die hohen Kosten, und eine Anlage ausschliesslich mit eigenen Mitteln zu finanzieren, hält er für unrealistisch. Laut Bischof wird der Vorstand im Juli über das weitere Vorgehen beraten. «Im Moment sind wir ratlos», räumt der Präsident ein, bedauernd, dass die mangelnde Solidarität unter den Vereinen zur jetzigen Situation beigetragen habe.

Übereinstimmend beklagen die beiden Präsidenten, dass die Gegenseite zum Teil unsachlich oder sogar polemisch argumentiert habe.

Einkauf wäre teuer

Armin Bolliger, Stadtrat und Präsident der Schiesskommission, zeigt sich von der Deutlichkeit des Abstimmungsergebnisses an der Gemeindeversammlung überrascht. Wie es weitergeht, kann er noch nicht sagen. Realistischerweise komme wohl nur der Einkauf in eine andere Schiessanlage in Frage. «Aber auch diese Lösung wäre nicht gratis», betont Bolliger.

So würde etwa die Benützung der Anlage Almensberg in Amriswil Kosten von 700 000 bis 800 000 Franken verursachen.