Forschen, was Nutzen bringt

MÄRWIL. Schon als Bub war Mischa Leber von der Informatik fasziniert. Angefangen zu studieren, hat er jedoch erst mit 30. Für seine Forschungsarbeit hat ihm die Siemens Schweiz AG den nationalen «Excellence Award» verliehen.

Urs Bänziger
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Mischa Lebers Forschungsarbeit setzt sich mit Menschenströmen in öffentlichen Räumen auseinander, wie im Bild der Bahnhof Weinfelden. (Bild: Nana do Carmo)

Mischa Lebers Forschungsarbeit setzt sich mit Menschenströmen in öffentlichen Räumen auseinander, wie im Bild der Bahnhof Weinfelden. (Bild: Nana do Carmo)

Märwil. Mischa Leber hat keine langen Haare und keinen Bart. Er ist eine gepflegte Erscheinung. «Ich bin ja auch kein Tüftler, der Tag und Nacht einsam im Kämmerlein sitzt.» Er sei ein Teamplayer und kein Einzelkämpfer, sagt Leber. Das war denn auch der Grund, weshalb er vor vier Jahren seine Einzelfirma wieder aufgelöst hat und an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) zu studieren anfing. «Als Selbständiger tätig zu sein, war zwar interessant. Aber das Alleinsein hat mir nicht gefallen, mir fehlte der Austausch.»

Studiumabschluss mit Note 6

Mit 30 Jahren noch ein Studium zu beginnen, war für ihn kein Handicap. «Es geht auch in diesem Alter. Man braucht nur etwas mehr Schlaf als die jüngeren Studienkollegen.» Viel Zeit zur Erholung blieb Mischa Leber allerdings nicht, als er sich seiner Bachelorarbeit widmete. Er schloss sie mit der Note 6 ab. Mit seinem Thurgauer Studienkollegen Roman Philipp aus Balterswil hat er für die «herausragendste technische Bachelorarbeit an der ZHAW 2010» den regionalen Siemens Excellence Awards gewonnen. Damit nicht genug der Ehre: Die Siemens Schweiz AG verlieh den beiden Thurgauern zudem den nationalen Preis für Schweizer Jungforscher.

«Diese Auszeichnung ist eine schöne Bestätigung», sagt Mischa Leber bescheiden. «Es ist das Ergebnis einer gut strukturierten Zusammenarbeit mit meinem Studienkollegen.» Es ist der erste Forschungspreis, aber nicht die erste Auszeichnung für den Märwiler. «Mit 18 habe ich die Junioren- Schweizer-Meisterschaft im Kanufahren gewonnen.»

Spezialist für Videotechnik

Schon als Bub war neben dem Wildwasserfahren der Computer die Passion von Mischa Leber. Als ehemaliger Projektleiter für Audio- und Videotechnik setzte er sich in der Bachelorarbeit mit der videobasierten Echtzeiterfassung von Fussgänger-Trajektorien (siehe Kasten) auseinander. «Nein, meine Diplomarbeit hat nichts mit Videoüberwachung zu tun», betont Leber. «So etwas würde ich nie machen.» Seine Arbeit diene dazu, Personenströmungen in öffentlichen Räumen, etwa in Bahnhöfen, zu erfassen und auszuwerten. «Aufgrund dieser Aufzeichnungen können die Gründe für Menschenansammlungen eruiert und Verbesserungen vorgenommen werden.»

Langer Weg zum Produkt

Er finde jede Forschungsarbeit interessant, die Nutzen bringe, sagt Leber. Die von ihm und Roman Philipp entwickelte Anwendung einer zigarettenschachtelkleinen Videokamera wird keinen praktischen Nutzen haben. «Bis eine Entwicklungsarbeit zum fertigen Produkt wird und im Alltag eingesetzt werden kann, müssen unzählige Tests gemacht werden. Zudem muss ein Investor gefunden werden, der bereit ist, das Produkt auf den Markt zu bringen.» Sicher aber sei die Bachelorarbeit eine Grundlage für weitere Forschungsprojekte an der ZHAW.

Für den Jungforscher-Preis hat Mischa Leber einen Geldbetrag erhalten. «Das schönste Geschenk ist jedoch meine kleine Tochter.» Fünf Tage bevor er seine Arbeit der Fachjury präsentierte, ist der Märwiler zum ersten Mal Vater geworden. «Ich war so sehr mit der Geburt beschäftigt, dass ich gar keine Zeit hatte, vor der Präsentation nervös zu sein.»