Flusskraftwerk Thurfeld nimmt Gestalt an

Sieben Monate sind seit dem Spatenstich vergangen. Die Dimensionen des Kraftwerks Thurfeld sind gut erkennbar. Das wird nach der Fertigstellung in dieser Deutlichkeit nicht mehr der Fall sein.

Georg Stelzner
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SCHÖNENBERG. Als es galt, das alte Kanalkraftwerk zu ersetzen, bewies die Thurkraftwerk AG Mut und entschied sich für eine innovative Lösung. Diese besteht darin, die Turbinen nicht wie üblich stehend, sondern liegend zu positionieren, was zur Folge hat, dass sich die Anlage grossteils unter Wasser befindet. Weltweit gibt es erst eine Handvoll Kraftwerke, die nach diesem in Deutschland entwickelten Prinzip funktionieren.

Geringfügige Verzögerung

«Mit den Bauarbeiten sind wir drei bis vier Wochen in Verzug», erklärt Bauherr Kaspar Böhi. Beunruhigt sei er deswegen nicht, zumal man eine zeitliche Reserve von einem Monat eingerechnet habe. Die Verzögerung sei einerseits wetterbedingt, andererseits darauf zurückzuführen, dass es sich um ein neuartiges Projekt handle und somit viele Unbekannte die Planung erschwerten.

Sechs Hochwassersituationen

Um das zur Gänze im Fluss stehende Kraftwerk errichten zu können, musste ein Schutzdamm errichtet werden. Dieser ist so konzipiert, dass er einer Wassermenge von 500 Kubikmetern pro Sekunde standhalten kann. Am letzten Septembersamstag waren es allerdings schon 568 Kubikmeter. «Da wurde es dann schon brenzlig», räumt Böhi ein, «denn es fehlte nicht viel und das Wasser wäre in die Baugrube eingedrungen, was eine weitere Verzögerung zur Folge gehabt hätte.»

Laut Auskunft des Bauherrn, der 18 bis 19 Mio. Franken in das Kraftwerk investiert, gab es seit dem Baubeginn im März sechs sogenannte zweijährige Hochwasser zu überstehen. «Auch der Baugrund ist hier problematisch, denn man weiss im voraus nie, ob man auf felsigen oder sandigen Boden stösst», verweist Böhi auf eine weitere Besonderheit dieser Grossbaustelle. Er geht davon aus, das Kraftwerk im März/April 2011 in Betrieb nehmen und dann jährlich 7,1 Mio. kWh Strom produzieren zu können. Das reicht aus, um 2000 Haushalte zu versorgen.

Schutzdamm verschwindet

Die beiden Turbinen – jede 135 Tonnen schwer und auf einen Durchfluss von je 25 Kubikmeter Wasser pro Sekunde ausgerichtet – sollen im Januar geliefert werden. Wegen ihrer Grösse müssen sie in Einzelteilen vom Herstellungsort in Ostdeutschland nach Schönenberg transportiert und hier zusammengebaut werden.

Zunächst gilt es aber, in den kommenden zwei Wochen den Schutzdamm abzutragen und am linken Thurufer mit der Errichtung des Betriebsgebäudes zu beginnen. Erdreich und Steine des mächtigen Walls müssen nicht fortgeschafft werden. Sie finden gleich vor Ort neue Verwendung.

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