Flurbereinigung beim Kinderhaus

ARBON. Nach den Querelen und Kompetenzrangeleien im Kinderhaus Arbon ist es zu einer Flurbereinigung gekommen: Drei Kommissionsmitglieder, darunter Präsidentin Evelyne Jung, haben die Ämter niedergelegt. Im Mai kommt es zu Neuwahlen.

Max Eichenberger
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Das Kinderhaus Arbon soll wieder in ruhigere Gewässer geführt werden. (Bilder: Max Eichenberger)

Das Kinderhaus Arbon soll wieder in ruhigere Gewässer geführt werden. (Bilder: Max Eichenberger)

«Als grösster Geldgeber hat die Stadt Arbon alles Interesse und auch eine grosse Verantwortung, dass der Betrieb des Kinderhauses reibungslos funktioniert», unterstreicht Stadtammann Andreas Balg. Deshalb hat er am Mittwochabend die verbliebenen Kommissionsmitglieder und Vertreter der weiteren finanziell engagierten Mitträger des Kinderhauses Arbon – wie Schule, Kirchen und Arbeitgeber – ins Stadthaus an einen Tisch gebracht. Es ging dabei auch darum, sicherzustellen, dass die wichtige soziale Institution ihren Auftrag mit zeitgemässen Strukturen erfüllen kann.

Die Konsequenzen gezogen

Das Kinderhaus Arbon kam in die Schlagzeilen, weil Reibereien auf verschiedenen personellen Ebenen – in der Kommission sowie zwischen Kommission und Personal – das Betriebsklima empfindlich gestört hatten. Hintergrund waren offenbar auch strukturelle Probleme und Kompetenzfragen. In der Kinderhaus-Kommission ist es inzwischen zu drei Rücktritten gekommen. Präsidentin Evelyne Jung, die in der Hauptkritik stand, sowie Aktuarin Astrid Straub und Kassierin Gabi Feitknecht haben ihre Mandate zur Verfügung gestellt.

Balg: «Ein gutes Gefühl»

Der Stadtrat habe davon «mit Bedauern Kenntnis genommen», heisst es in einer kurzen Mitteilung. Anderseits hat Andreas Balg nach dem Treffen vom Mittwoch und dem ersten Schritt in der Bereinigung der belastenden Situation «ein gutes Gefühl», wie er sagt, was die Zukunft des Kinderhauses betrifft. Man habe deutlich die Erwartung eines funktionierenden Betriebs dargelegt, so Balg. Daraufhin würden jetzt alle Kräfte ausgerichtet. Immerhin eine knappe Viertelmillion Franken leiste die Stadt jährlich als Betriebsbeitrag.

Wie ein KMU-Betrieb

Gemäss Hans-Ulrich Züllig, Delegierter des Stadtrates in der Kommission, sei man im Begriff, auf der Grundlage einer Betriebsanalyse die Strukturen des Kinderhauses anzupassen. «Fast 90 Jahre ist das Kinderhaus im Milizsystem geführt worden. Bei gut 20 Personen, die in der Institution beschäftigt sind, und einem Umsatz von einer Million Franken ist das Kinderhaus heute ein KMU.» Das erfordere eine gewisse Professionalisierung, zumal auch die Vorschriften von Verbänden und Aufsichtsbehörden nicht weniger geworden sind. Die Stadt habe in diesem Prozess, der weiter voranzutreiben sei, «Hilfestellung» geboten. Von Überforderung der Vereinsführung mochte er aber nicht sprechen. Es sei in dieser Phase halt auch «zu Missverständnissen gekommen», sagt Züllig.

Viel Know-how erforderlich

Primarschulpräsidentin Regina Hiller, die vor Monatsfrist sehr besorgt von einer «tiefen Krise» gesprochen hatte, möchte ebenfalls davor warnen, einfach einseitige Schuldzuweisungen zu machen. Dafür sei die Entwicklung mit den jeweiligen Sichtweisen zu komplex. «Klar ist: Das Kinderhaus stand immer wieder unter finanziellem Druck. Das hat viel Kraft absorbiert. Da mag vielleicht anderes vernachlässigt worden sein.» Hiller gibt zu bedenken, wie vielschichtig das Aufgabenfeld ist, das entsprechendes Know-how erfordert: organisatorisch, pädagogisch, personell wie betriebswirtschaftlich.

Darum will Regina Hiller nicht den Stab brechen, sondern lieber im Sinne der Sache vorwärts- schauen. «Alle müssen jetzt am gleichen Strick in die gleiche Richtung ziehen», fordert sie – und gibt sich zuversichtlich. «Das Schiff muss in ruhige Gewässer gebracht werden.»

Drei Neue offenbar bereit

Von der Primarschulgemeinde ist Denise Baumann in der Kommission delegiert. Sie sei als neue Vizepräsidentin «in die Lücke gesprungen» und führe die Geschäfte interimistisch. Im Gespräch ist sie als designierte Präsidentin. «Wenn sie das Vertrauen bekommt von der Kommission, hat sie auch die volle Unterstützung der Schulbehörde» – das wäre für Regina Hiller eine sehr gute Lösung.

Baumann hatte zuvor schon – damals als Präsidentin der evangelischen Kirchgemeinde – Einsitz in der Kinderhaus-Kommission. Am 9. Mai soll an der Jahresversammlung der Vorstand komplettiert werden. Die Finanzen soll der katholische Kirchenpfleger Sascha Bigger übernehmen. Auch der katholische Kirchenpräsident Dominik Diezi dürfte zur Wahl stehen, als Elternvertreter Rico Baettig.

Zweiter Sitz für die Stadt?

«Der Stadtrat unterstützt den Vorstand in seinen Bestrebungen, die Vakanzen schnellstmöglich neu zu besetzen», schreibt er zu den neuesten Vorgängen in einem kurzen Communiqué. Die Stadt sehe ihre unterstützende Rolle institutionell zwar klar ausserhalb des Vereins, sagt Stadtammann Andreas Balg. Er deutet aber an, dass sie über eine zweite Vertretung in der Kommission ihren Einfluss verstärken möchte. Sein Stadtratskollege Züllig wolle dann generell eine Aufstockung beantragen.

Denise Baumann soll neue Präsidentin der Kinderhaus-Kommission werden.

Denise Baumann soll neue Präsidentin der Kinderhaus-Kommission werden.