Flugshow hat ein Nachspiel

Auf Konstanzer Seite ist man empört, dass die acht Oldtimerflugzeuge, die am Kreuzlinger Seenachtfest eine Show zeigten, unerlaubt über deutsches Gebiet geflogen sind. Bei den Piloten sorgt das für Unverständnis.

Nicole D'orazio
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Die Oldtimerflugzeuge fliegen am Kreuzlinger Himmel. (Bild: Reto Martin)

Die Oldtimerflugzeuge fliegen am Kreuzlinger Himmel. (Bild: Reto Martin)

KREUZLINGEN. Schweizer Flugzeuge sind unerlaubt über deutsches Hoheitsgebiet geflogen. Das sagen verschiedene Konstanzer Behördenvertreter gegenüber dem «Südkurier». Seit dem tragischen Flugzeugunglück in Ramstein 1988 werden in Deutschland Kunstflugvorführungen nur unter sehr strengen Auflagen gestattet. In Konstanz haben seit damals gar keine Flugshows mehr stattgefunden. Die Behörden sind über den unerlaubten Grenzübertritt sehr verärgert und drohen den Piloten mit einer Busse. Es werden nun Informationen gesammelt und dem zuständigen Regierungspräsidium in Freiburg zur Untersuchung weitergeleitet. Die Bundespolizei-Inspektion hat als Beweis die Flugshows sogar gefilmt.

Alle Bewilligungen eingeholt

Paul Ruppeiner, Leiter Flugbetrieb des Fliegermuseums Altenrhein, kann die Aufregung nicht verstehen. Er gehörte zu den acht Piloten, die am Samstag mit Oldtimerflugzeugen die Shows des Kreuzlinger Seenachtfestes geflogen haben. «Wir sind alles Profis, die schon viele solche Shows geflogen sind. Auch haben wir alle nötigen Bewilligungen beim Bundesamt für Zivilluftfahrt eingeholt», sagt er.

Auf deutscher Seite habe man keine eingeholt, da für einen Flug über den See keine weitere Bewilligung nötig sei. Der Bodensee sei internationales Gewässer und man könne die Grenzen nicht klar definieren. «Wir sind nicht über deutsches Hoheitsgebiet geflogen.» Zudem habe man einen grossen Sicherheitsabstand eingehalten. «Wir haben nach jährlichem Training generell eine Sonderbewilligung, bis auf 50 Meter runterzugehen, sind aber auf 150 Metern über dem Wasser geblieben.» Sie hätten zu jeder Zeit alles unter Kontrolle gehabt, betont Ruppeiner.

Er wurde von den negativen Reaktionen aus Konstanz völlig überrascht. «Als ich den Artikel gelesen habe, konnte ich nur den Kopf schütteln. Ich kann das nicht verstehen.» Er habe das Gefühl, dass es um Ressentiments zwischen Konstanz und Kreuzlingen gehe. «Ich stehe mit gutem Gewissen hinter unseren Shows. Die Behörden sollen uns zuerst direkt sagen, was wir falsch gemacht haben, um Klarheit zu bekommen, wo vielleicht ein Missverständnis herrscht.»

Entschuldigung des OKs

Thomas Gut, Geschäftsführer des Fantasticals, entschuldigt sich. «Wir waren mit diesem Programmpunkt knapp dran, da dieser dank eines Sponsors noch möglich wurde», erklärt er. Er hatte keine Veranlassung, mit den Deutschen über die Flugshows zu sprechen, weil er annahm, dass die Flieger nur auf Schweizer Seite fliegen. «Unser Präsident Markus Baiker hat die Konstanzer zwar Ende Juli informiert, wir hätten das aber besser so früh wie möglich gemacht.» Und es sei sein Fehler gewesen, dass ihm wegen einer möglichen Grenzüberschreitung nicht die Alarmglocken geläutet hätten.

Nach der ersten Flugshow habe sich die deutsche Polizei bei der Kantonspolizei Thurgau über den Grenzübertritt beschwert. Daraufhin habe er die Piloten informiert. «Wir haben das nicht absichtlich gemacht und auch nicht provozieren wollen», sagt Gut. Er hofft, dass sich die Sache moderat aus der Welt schaffen lässt.

Matthias Henrich, Stellvertretender Mediensprecher des Regierungspräsidiums in Freiburg, beschwichtigt das Ganze. «Es sind Untersuchungen am Laufen. Eventuell können diese ein Bussgeld nach sich ziehen», sagt er. Es ginge dabei um die fehlende luftrechtliche Genehmigung. «Wir möchten aber kein Drama daraus machen, sondern betrachten die Angelegenheit sachlich. Wir wollen nichts aufbauschen.» Auch wegen der guten freundschaftlichen Beziehung zwischen Deutschland und der Schweiz.