Flora und Fauna brauchen Licht

HOHENTANNEN. Am Samstagvormittag lichteten Mitglieder des Natur- und Vogelschutzvereins Aach-Sitter-Thur ihr Waldstück oberhalb vom Tellen in Hohentannen aus. Ziel der Aktion ist es, den Lebensraum um die Quellfluren zu erhalten.

Monika Wick
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Der Wald muss ausgelichtet werden, damit die Feuchtstellen nicht austrocknen. (Bild: Monika Wick)

Der Wald muss ausgelichtet werden, damit die Feuchtstellen nicht austrocknen. (Bild: Monika Wick)

Für einen Laien macht das Waldstück oberhalb des ehemaligen Restaurants Wartegg an der Durchfahrtsstrasse von Kradolf nach Bischofszell einen etwas verwilderten Eindruck. Ein Durchkommen ist hier nur unter erschwerten Bedingungen möglich. Das Kiessträsschen endet unterhalb der Parzelle und die Waldbesucher müssen über umgefallene Baumstämme steigen oder sich einen Weg durch den Jungwuchs von Buchen und Eschen hindurch bahnen.

Sechs Männer lichten aus

Seit rund drei Jahren gehört dieses fünftausend Quadratmeter grosse Waldstück dem Natur- und Vogelschutzverein AST (Aach-Sitter-Thur). Am Samstagmorgen haben sich sechs Männer zu einem ersten Pflegeeinsatz in diesem Waldstück getroffen. Bewaffnet mit Kreuzhacke, Säge, Beil und überdimensionaler Baumschere haben sie sich zum Ziel gesetzt, das Gelände auszulichten.

«Hier hat es Quellfluren», sagt Christoph Stäheli und deutet auf feuchte Stellen, die im Gegensatz zum restlichen Waldboden nicht mit Schnee bedeckt sind. Grund dafür ist das Grundwasser, das im Steilhang mit einer konstanten Temperatur von vier bis acht Grad aus dem Boden quillt und an der Oberfläche hinunter in die Thur fliesst.

Moos und Sumpfdotterblumen

Rund um die Quellfluren ist das Wachstum nicht üppig. Auf den durch das stetig austretende Wasser entstandenen Kalksteinformationen wächst vor allem Moos. Das feuchte Milieu wird aber auch von vielen anderen Pflanzen geschätzt. «Im Frühling ist hier alles voller Sumpfdotterblumen», erklärt Markus Bürgisser, Präsident des Vereins. Seggen und Schachtelhalme vom letzten Jahr ragen schon aus dem Schnee.

Um Pflanzen und Insekten wie der Quelljungfer, einer gestreiften Libellenart, ihren Lebensraum zu erhalten, ist es nötig, für passende Lichtverhältnisse zu sorgen. Engagiert rückt Peter Schneider deshalb dem Jungwuchs zu Leibe. Nachdem er ihn in Bodennähe abgeschnitten hat, wirft ihn der Leimbacher auf einen Haufen. Dieser Haufen bleibt später hier liegen und bietet verschiedensten Tieren Unterschlupf. Auch Totholz und alte Bäume werden von den Naturschützern bewusst stehen gelassen. Laut Christoph Stäheli bietet dies die Lebensgrundlage für unzählige Arten von Tieren, Pflanzen oder Pilzen wie beispielsweise den Zunder.

Die Aufgabe von Markus Geiger, Hansueli Eggenberger und Christoph Stäheli ist es, im unwegsamen und rutschigen Gelände die Marchsteine zu finden und die Grenzen ihres Waldstücks gut sichtbar mit Pfählen und auffälliger Farbe zu markieren. Jedesmal überfällt sie eine kindliche Freude, wenn sie die sprichwörtliche Stecknadel im Heuhaufen gefunden haben.

Eine Wildschweinfamilie

Auch sonst entgeht fast nichts den Blicken der Natur- und Vogelfreunde. «Dort hinten zieht gerade eine Wildsau ihre Jungen auf», sagt Markus Geiger. In den Quellfluren finden sie sowie Dachse, Füchse, Rehe und Mäuse genügend Trinkwasser.

Dass das auch in Zukunft so bleibt, dafür sorgen die tatkräftigen Männer vom Natur- und Vogelschutzverein AST mit viel Herzblut.

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