Flachdach erregt die Gemüter

Das neue Gemeindehaus von Hefenhofen steht derzeit auf einem wackligen Untergrund. Die Gestaltung des geplanten Baus findet nicht ungeteilte Zustimmung. Mit einer Informationskampagne wirbt die Gemeinde für das Projekt «Hebinhova».

Rita Kohn
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An thematisch strukturierten Tischen wurden die Interessierten über verschiedene Teilaspekte informiert. (Bild: Rita Kohn)

An thematisch strukturierten Tischen wurden die Interessierten über verschiedene Teilaspekte informiert. (Bild: Rita Kohn)

Hefenhofen. Noch hat das geplante Gemeindehaus von Hefenhofen einige Klippen zu bewältigen, bis die Baumaschinen auffahren können. Am ersten von drei Informationsabenden zum Thema kochten die Emotionen hoch. Stein des Anstosses ist vor allem das vorgesehene Flachdach. Während die einen Bürgerinnen und Bürger der Meinung sind, es müsse Raum für einen modernen Bau geben, wehren sich andere vehement gegen ein Gemeindehaus mit Flachdach.

Undicht und unwirtschaftlich

Das Flachdach sei unwirtschaftlich, tönt es von Seiten der Kritiker. Tatsächlich hatte der für diesen Abend zugezogene Experte Stefan Grob aus St. Gallen an seinem Themen-Tisch zwar dafür geworben, dass moderne und gut gearbeitete Flachdächer dicht seien, doch die ungefähre Lebensdauer eines Flachdachs mit 35 Jahren angegeben. «Das ist höchstens ein Drittel der Lebensdauer eines Ziegeldachs», empörte sich ein Bürger.

Doch sind es nicht nur Lebensdauer und Unterhaltskosten, die vielen Hefenhoferinnen und Hefenhofern sauer aufstossen. So klagte ein Bürger: «Wenn wir als Private ein Haus auf dem Sonnenberg bauen wollen, wird uns das Flachdach aus heimatschützerischen Gründen verwehrt. Die Gemeinde darf aber einen markanten Flachdachbau realisieren.» Eine Bäuerin doppelte nach.

Sie hätten auf Wunsch der Denkmalpflege ihre neue Halle zurückversetzen müssen, was zu einigen Brachstellen geführt habe. «Ich ärgere mich noch heute jeden Tag, wenn ich es sehe», sagt die Bäuerin und fragt sich laut, weshalb nun ausgerechnet beim Gemeindehaus die strengen Bestimmungen nicht mehr gelten sollten. Denkmalpflegerin Bettina Hedinger machte geltend, dass die Gemeinde in der öffentlichen Zone bauen wolle. «Für diese Zone gelten nun mal andere Bestimmungen als beispielsweise für die Bauzone W2.»

Wie eine aufgesetzte Haube

Im Wissen darum, dass die Dachfrage den Gemeindehausbau gefährden könnte, verteidigte Gemeindeammann Priska Schwarz das Projekt. «Wir haben mit dem Architekten das Projekt nochmals geprüft und haben auch eine andere Dachform in Erwägung gezogen.» Doch hätten die Varianten nicht überzeugen können. «Es sah alles aus, als hätte man dem Bau eine Haube übergestülpt.» Tatsächlich ist der nahezu quadratische Grundriss eher ungünstig für ein Steildach. Zudem würde der durch eine andere Dachform entstehende Raum teuer und kaum nutzbar.

Auch könne das gewählte Projekt nicht einfach beliebig verändert werden: Der nach SIA-Norm durchgeführte Architekturwettbewerb unterstehe klaren Richtlinien. Damit gab sie auch eine Antwort auf die mehrfach geäusserte Kritik, dass die Bevölkerung zu spät in den Entscheidungsprozess bezüglich Gemeindehausprojekt einbezogen worden sei.

Keine Urnenabstimmung

Noch liegt das konkrete Projekt nicht vor, doch ist bereits das Abstimmungsprozedere für den Baukredit – laut Gemeindeammann Priska Schwarz dürfte die Abstimmung im Frühjahr 2011 erfolgen – ein Thema. Ein Bürger wollte am Informationsabend wissen, ob über den Baukredit tatsächlich an der Gemeindeversammlung abgestimmt und wieso das Volk nicht zur Urne gerufen werde, um über ein solch schwerwiegendes Geschäft zu befinden. «Das lässt unsere Gemeindeordnung nicht zu», sagte Priska Schwarz.

«Ich hoffe allerdings, dass viele Stimmberechtigte zur Versammlung kommen werden und letztlich nicht nur 40 Leute darüber entscheiden, ob Hefenhofen ein neues Gemeindehaus bekommt oder nicht.»

Dringend mehr Raum gebraucht

Während einige Bürgerinnen und Bürger freimütig bekannten, sie könnten dem vorliegenden Projekt nicht zustimmen, da ihnen das Auswahlprozedere missfalle, und sie würden deshalb den Kredit ablehnen, warb Priska Schwarz für Unterstützung.

Sie zeigte auf, dass die Gemeindeverwaltung längst an ihre Grenzen gestossen sei und dringend mehr Platz benötige. Ähnlich geht es dem Verbund Amtsvormundschaft, der heute noch im Gemeindehaus Salmsach logiert, sich aber aus Platzgründen im Neubau einmieten möchte.

Mit Rücktritt zuwarten

Auch das Argument, man könne doch das Projekt vorderhand stoppen und erst reaktivieren, wenn der neue Gemeindeammann gewählt sei – Priska Schwarz hat ihren Rücktritt für 2012 angekündigt –, mochte Gemeindeammann Schwarz nicht so stehen lassen.

Sie habe ihren Rücktritt extra ins Jahr 2012 verschoben, weil sie einem neuen Gemeindeammann nicht zumuten wolle, sich gleich um die Baufrage kümmern zu müssen. Werde das Siegerprojekt «Hebinhova» aus dem Wettbewerb nicht umgesetzt, müsse ein neuer Wettbewerb durchgeführt werden. Bis das neue Gemeindehaus dann stehe, würden schnell einmal fünf oder mehr Jahre ins Feld ziehen.