Finanzspritze für das Sorgenkind

ALTNAU. Der Altnauer Gemeinderat will 200 000 Franken des Gewinns der Jahresrechnung für das defizitäre Kommunikationsnetz zurückstellen. In den letzten zehn Jahren hat dieses ein Minus von einer halben Million Franken erwirtschaftet.

Martina Eggenberger Lenz
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Das Kommunikationsnetz Altnau liefert nicht nur Fernsehen, Internet und Telefon in die Haushalte. Es sorgt auch für Gesprächsstoff. Vor zehn Jahren haben sich die Stimmbürger für das gemeindeeigene Netz ausgesprochen und eine Million Franken investiert. Doch die Einrichtung schreibt seit ihrer Erstellung 2004 nur rote Zahlen.

Geld ist nur «parkiert»

Bereits 2009 musste die Gemeinde 350 000 Franken einschiessen. Die Anwesenden der Gemeindeversammlung stimmten dem Kredit damals zähneknirschend zu. Jetzt ist es wieder Zeit für eine Geldspritze: Dieses Mal sollen 200 000 Franken für das Kommunikationsnetz in einer Vorfinanzierung zurückgestellt werden.

Das Geld stammt aus dem Gewinn der Gemeinderechnung. Die Verantwortlichen der Gemeinde betonen, dass es als Einlage in die Vorfinanzierung nur «parkiert» werde, als Sicherheit, falls es nicht möglich ist, das Loch in der Kasse durch eigene Erträge zu decken. Sobald das Kommunikationsnetz rentabel sei, könne man den Betrag wieder zurückerstatten.

Rentabel ist das Kommunikationsnetz ab 300 Abonnenten. Mittlerweile gibt es etwa 220 Kunden. Der zuständige Gemeinderat Hanspeter Holzer ist aber zuversichtlich, dass das Ziel in Reichweite liegt. Dank der aktuellen Bautätigkeit gebe es viele Anmeldungen. «Die Prognose ist gut.» Schliesslich würden sich sehr viele Bauherren von Neubauten für das gemeindeeigene Angebot entscheiden.

Kunden blieben Swisscom treu

Momentan beträgt das Minus in der Kasse des Kommunikationsnetzes 280 000 Franken. «Das Angebot wurde von den Einwohnern einfach nicht so gut angenommen, wie man sich das gewünscht hat», sagt Gemeinderat Holzer. Im Vordergrund stand 2003 die Idee, schnelles Internet anzubieten. Zur gleichen Zeit lancierte die Swisscom ADSL, «ein ebenbürtiges Angebot». Die Swisscom war mit ihren Anschlüssen schon in den Häusern. Nur wenige entschieden sich für den Wechsel zum Gemeinde-Netz, weil sie stattdessen dem bekannten vertrauten. Kommt hinzu, dass die Anschlussgebühren beim Kommunikationsnetz mit 750 Franken relativ hoch sind. «Das relativiert sich aber wieder, weil unsere Tarife so günstig sind. Nach gut einem Jahr zahlt sich das Kommunikationsnetz aus», sagt Hanspeter Holzer.

Vieles optimiert

Die Gemeinde bemüht sich laufend, ihr Angebot attraktiv zu gestalten. So wechselte man von der Cablecom zur regionalen Kopfstation Oberthurgau und auch der Servicedienstleister wurde neu bestimmt – in der Hoffnung, Kosten zu sparen.

Es sei kein Fehler gewesen, sich 2003 für das Kommunikationsnetz zu entscheiden, glaubt der Gemeinderat. «Altnau hat damals einen fortschrittlichen Entscheid gefällt.»