Finanzkrise? Für das Amriswiler Gewerbe noch kein grosses Thema

Nach drei von fünf Ausstellungstagen zeigt sich das Amriswiler Gewerbe recht zufrieden. Verkäufe direkt an der awa sind für viele Betriebe sekundär. Es geht ihnen mehr um die Präsenz. Über die Finanzkrise klagen nur wenige. Manche Gewerbler sprechen sogar von einer Umsatzsteigerung.

Roger Häni
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Die Amriswiler Weihnachts- und Adventsausstellung kommt langsam aber sicher in die Gänge. Auf dem ansonsten meist leeren Marktplatz war gestern nachmittag nur mit Glück noch ein Parkplatz zu ergattern. Doch schon am Donnerstag hatte es ordentlich Volk im Pentorama. «Die awa-Beiz war am Abend gestossen voll», sagt Schreinermeister Franz Warger, der sich zusammen mit Werner Krebs (Bodenbeläge) einen grossen Stand im Erdgeschoss teilt. Dafür sei es am Mittwoch schlecht gelaufen, drückt sich Krebs deutlich aus. Eine gewisse Anlaufzeit sei aber bei einer solchen Veranstaltung völlig normal. Ob sich die aktuelle Finanzkrise bemerkbar mache? Was die awa betreffe, könne er das nicht beurteilen und in seinem Geschäft merke er rein gar nichts davon, sagt Werner Krebs. «Im Gegenteil, ich spüre sogar eher eine Umsatzsteigerung.» Auswirkungen der Finanzkrise – falls es denn welche gebe – erwartet er verzögert. Krebs stellt den Vergleich mit der Mode an, welche immer etwas Zeit brauche, ehe sie von grossen Städten wie Mailand oder Paris aufs Land überschwappe.

Besser Liegenschaften als Aktien

Auch Franz Warger kann sich über Aufträge nicht beklagen. Er erwähnt vier Grossprojekte mit einem gesamthaften Umsatz von rund 800 000 Franken, die er in Aussicht habe und die seinem Schreinerei-Betrieb wieder ein halbes Jahr Arbeit garantieren würden. Wer im Innenausbau tätig sei, spüre wirtschaftliche Krisen meist erst mit einer gewissen Verzögerung. «Bei Grossprojekten dauert es eineinhalb bis zwei Jahre, bis wir an der Reihe sind», erwähnt Warger. Und noch etwas möchte er loswerden: «Ich hoffe, dass die Leute jetzt checken, dass Investitionen in Liegenschaften längerfristig immer besser angelegtes Geld sind als Aktien.» Auch Werner Krebs sieht für seinen Beruf den Vorteil, eine «Handarbeit» mit einem richtigen Gegenwert anbieten zu können – im Gegensatz zu Finanztiteln.

Psychologische Auswirkungen

Finanzkrise? Ja, die mache sich bei Savary Weine leicht bemerkbar, sagt Fabienne Stähelin-Savary. «Die Leute sparen dort, wo es ihnen am wenigsten weh tut und wir sind eben schon eher im Luxusbereich angesiedelt.» Allerdings ist die Weinkennerin überzeugt, dass die Finanzkrise bei den meisten eher psychologische Auswirkungen habe, als dass sie ein Loch ins Portemonnaie reisse. Was den weiteren Verlauf der awa betrifft, wünscht sie sich noch etwas mehr Besucher. Der Absatz halte sich bisher in Grenzen. Die Ausstellung sei halt schon recht früh angesetzt. Weihnachtsgeschenke würden heute meist erst kurz vor dem Heiligen Abend gekauft, weiss Fabienne Stähelin-Savary. Die wenigsten Menschen befänden sich jetzt schon in Weihnachtsstimmung. Nichtsdestotrotz möchte sie die awa nicht missen. «Für uns ist es vor allem wichtig, die Kunden wieder einmal zu sehen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen, damit sie uns nicht vergessen.»

Unempfindliche Klientel

Manfred Vogt von der Villa Optik sieht das ähnlich. «Es geht uns hier vor allem um die Präsenz.» Der Verkauf habe nicht erste Priorität. Der Besucherandrang an der awa 2008 sei bisher im normalen, erwarteten Rahmen, sagt der langjährige Aussteller. «Natürlich ist der Andrang nicht zu vergleichen mit der awa in der Festhütte vor etwa zehn Jahren.» Die Zeiten hätten sich eben geändert und die awa entwickle sich zunehmend von einer klassischen Weihnachtsausstellung zu einer hochwertigen Gewerbeausstellung. Eine konzentriert grosse Besuchermenge hat Manfred Vogt am Seniorennachmittag am Donnerstag ausgemacht. Doch egal wie viele Besucher sich in die Ausstellung drängten, man müsse immer aktiv sein, um Leute an den Stand zu holen, erklärt er. Die Finanzkrise spüre er nicht oder noch nicht, so Manfred Vogt weiter. «Unsere Klientel reagiert nicht so empfindlich auf wirtschaftliche Entwicklungen.» Brillen würden glücklicherweise immer benötigt.

Weh tut es immer irgendwo

Einen grossen Vorteil für ihre Branche in der aktuell schwierigen Zeit sehen auch Mariangela Bartuccio von Orthopädie Rick an der Romanshornerstrasse und Sandra Ullmann von der Podologie (Medizinische Fusspflege) an der Winkelriedstrasse. Eine Finanzkrise spüren beide nicht. Die Gesundheitsbranche sei kaum von wirtschaftlichen Einflüssen abhängig. «Wenn es weh tut, tut es weh», bringt es Sandra Ullmann auf den Punkt. Was den Besucherandrang an der awa betrifft, erwähnt Mariangela Bartuccio ebenfalls den Donnerstagnachmittag als positives Beispiel. Vor allem ältere Leute interessierten sich eben für Orthopädie. Bartuccio geht es vor Ort weniger um den Verkauf von Produkten, sondern darum, Kunden in den Laden zu lotsen. «Wir sind hauptsächlich hier, um unser noch junges Geschäft bekanntzumachen.»

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