Filz bringt Leute zusammen

Tanzend fertigte in Eberswil eine fröhliche Besucherschar am dreitägigen Filzfest vom Wochenende einen riesigen Wollteppich an. Dieser wird künftig einer Jurte als Dach dienen.

Claudia Gerrits
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Unter den tanzenden Füssen der Festbesucher entsteht ein riesiger Filzteppich. (Bild: Claudia Gerrits)

Unter den tanzenden Füssen der Festbesucher entsteht ein riesiger Filzteppich. (Bild: Claudia Gerrits)

EBERSWIL. Nass und weich ist die runde Tanzfläche von acht Metern Durchmesser, die auf der Wiese hinter einem Bauernhof in Eberswil ausgelegt ist. Seifenwasser drückt zwischen den Zehen der Tanzenden hoch, die sich auf dem ungewöhnlichen Tanzparkett bewegen. «Angenehm kühl», lachen sie. Gebildet ist die Tanzfläche aus acht Schichten Wollfliess, die zwischen zwei Tüchern kreuzweise übereinandergelegt sind. Unter den tanzenden Füssen verfilzt die mit Wasser und Seife übergossene Wolle immer mehr.

Der grosse Filz wird das Dach für eine Jurte ergeben.

Älteste Verarbeitungstechnik

«Drei Tage haben wir zum Auslegen der Wolle gebraucht», erzählt Raffael Brunner. Der junge Eberswiler hat zusammen mit Claudio Kressibucher aus Waldkirch zum zweiten Filzfest geladen. 2008 hatte Raffael Brunners Mutter Adelheid das erste Filzfest veranstaltet.

Zum zweiten Mal sind auch SueSanna Russell und Ulrico Stamani von «Wool-n-Dance» dabei, einem Projekt, das gemeinschaftliche Filzanlässe organisiert oder unterstützt und sich dafür einsetzt, dass alte Handwerkstechniken der Wollverarbeitung nicht verlorengehen. Vor zwei Jahren entstanden zwei Wandteile der Jurte, für die am jetzigen Fest das Dach hergestellt werden soll. Die runde Behausung steht zur Demonstration auf dem Festgelände.

«In diesen Wänden sind auch meine Fussabdrücke verborgen!», das habe er von Leuten gehört, die schon das erste Mal dabei gewesen waren, freut sich Brunner.

Wohnen in Jurten

Seit Beginn des Jahres 2009 beschäftigen sich Raffael Brunner und Claudio Kressibrunner mit der Planung, Organisation und dem Bau zweier mongolischer Jurten, die sie in absehbarer Zeit selber bewohnen möchten. «Wir haben unsere heutige Art zu leben immer mehr hinterfragt», erzählen die beiden.

Dabei sei der Wunsch nach einem einfachen, aber bewussten Leben gewachsen und die Idee einer Wohngemeinschaft habe sich entwickelt.

Zunächst sollen die Jurten auf einem Grundstück von Familie Brunner stehen. «So dürfen wir vorläufig noch die sanitären Einrichtungen in meinem Elternhaus benützen und können uns ans Leben in einer Jurte herantasten», räumt Raffael Brunner mit einem Lachen ein. «Es ist doch eine ziemliche Umstellung.»

Miteinanderfest

Auf dem Festplatz treffen immer wieder neue Leute ein. Bunt gemischt ist die Schar. Sie sei das erste Mal hier, erzählt Michaela Hinder. «Aber sicher nicht das letzte Mal.» Für Essen und Grill haben Adelheid und Theo Brunner gesorgt. «Überhaupt haben wir von allen Seiten viel Unterstützung erhalten, es ist ein richtiges Miteinanderfest», freuen sich die jungen Organisatoren.

Nach dem Auftritt einer Live- Band aus Huttwil greifen Festbesucher spontan zu ihren mitgebrachten eigenen Instrumenten und halten die Füsse der Tanzenden weiter in Bewegung. Am Sonntagabend wird der fertige Filz für das Jurtendach zu bewundern sein. Wie die Wände mit einem Muster verziert.

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