Feilschen ausgeschlossen

Fast 4500 Artikel wurden für die Kinderkleiderbörse abgegeben und registriert: Kleidung, Spielsachen, Bücher, Sportartikel und ein einziger Thek. Verkauft wurde etwa die Hälfte.

Hedy Züger
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Am Samstag war Kinderkleiderbörse, am Vortag Annahme der Artikel. Schon vor Öffnung des Saals warten junge Frauen. Sie schleppen Taschen, Koffer und Kartons an, gefüllt mit zu klein gewordenen Hosen, Jacken und was der Dinge mehr sind.

Grössen 50 bis 176

Susanne Miller vom Treff junger Mütter, der den Anlass seit Jahrzehnten durchführt, nimmt einer jungen Frau ein Kindervelo und einen Scooter ab. Bald türmen sich auf vielen Tischen im Pfarreisaal Beigen nach Grössen geordneter Verkaufsartikel.

«Wir nehmen die Grössen 50 bis 176 entgegen», erklärt eine Helferin, «Artikel fürs Kleinkind bis zum Oberstufenschüler.»

Annahme oder Verweigerung?

Am Nachbartisch möchte eine Kundin ein Puppenwägelchen in den Verkauf geben, doch am Dach wird ein Riss festgestellt. «Tut mir leid», sagt die Helferin, «das können wir nicht weiterverkaufen.» Dann fährt sie mit der Hand in eine Kinderstrumpfhose, dreht diese und prüft, ob kein Loch darin ist. Falls etwas nicht ganz sauber ist, geht es um Annahme oder Verweigerung.

Ein ganz kleiner Fleck ist eventuell tolerierbar, er wird aber auf der Etikette neben Grösse und Artikelnummer notiert, so dass die Käuferin nicht getäuscht wird. Die kleinen Erstbesitzer der zu verkaufenden Garderobe trugen den Artikel vielleicht zwei Jahre lang. Es ist ratsam, ihn dann rasch zur Börse zu bringen, denn auch andere Kinder wollen etwas tragen, das in Mode ist.

Natürlich werde das günstige Angebot allgemein geschätzt, weiss Susanne Miller, die bereits an der achten Börse mitarbeitet. Es gebe aber Eltern, die darauf angewiesen seien, hier Kleider für ihre Kinder erstehen zu können – ein Kauf im Geschäft wäre für sie unerschwinglich. Und die Auswahl an der Börse ist schier unendlich, wobei nur etwa die Hälfte der ausgestellten Angebote den Besitzer wechselt.

Spektakel am Verkaufstag

Die Preise werden zwischen Anbieterinnen und Helferinnen festgelegt. Die notierten Preise sind fix, an der Börse kann nicht gefeilscht werden. Das hat sich auch unter jenen Kundinnen herumgesprochen, die das Handeln von ihrem Ursprungsland her gewohnt sind. Da viele Frauen Dutzende Artikel weitergeben möchten, beansprucht die Schreibarbeit viel Zeit; für die Annahme der Artikel stehen 45 Helferinnen im Einsatz.

Im Eingangsbereich des Pfarreizentrums ist ein Schnellschalter eingerichtet: «Bis zu sieben Artikel», heisst es da. Beobachterinnen ist klar: Da läuft am Verkaufstag ein Spektakel ab. Während eine Mutter einen Korb voller Kindersachen zum Prüfen und Anschreiben ausbreitet, streift ihr Bub durch die Reihen der Spielsachen. Er schaut sich das vielseitige Angebot an.

Ein Dinosaurier lässt ihn nicht mehr los; wie die Augen des Monsters dank Batterien glühen! Der Bub sucht den Blickkontakt mit der Mama: Er möchte am Samstag die Seite wechseln und unter den Kunden sein.