Feier in neue Sphären heben

Nationalrätin Edith Graf-Litscher zeigte sich an der Bundesfeier in Amriswil offen und kämpferisch. Ihre Rede wurde mit lautstarkem Applaus belohnt – immerhin hatte sie zu rund 800 Gästen gesprochen.

Rita Kohn
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Festrednerin Nationalrätin Edith Graf-Litscher zeigte sich engagiert, kampfbereit und sehr offen. (Bild: Urs Bucher)

Festrednerin Nationalrätin Edith Graf-Litscher zeigte sich engagiert, kampfbereit und sehr offen. (Bild: Urs Bucher)

Ihre Verantwortung als Politikerin ernst nehmen: dies möchte Nationalrätin Edith Graf-Litscher, die nach ihrer schweren Erkrankung erstmals wieder in der Öffentlichkeit stand. An der Bundesfeier in Amriswil bewies sie ihre Verbundenheit mit der Oberthurgauer Metropole: «Während die Bischofszeller heute darüber entscheiden müssen, ob sie künftig überhaupt noch eine 1.-August-Feier haben wollen, haben Sie es geschafft, Ihre 1.

-August-Feier in neue Sphären zu heben: Statt dass Sie aus Amriswil, Schocherswil, Biessenhofen und Hagenwil für sich feiern, feiern Sie heute erstmals alle zusammen.» Sie finde es genial, dass Amriswil dies geschafft habe.

Votum für den Sozialstaat

Dass Edith Graf-Litscher als Sozialdemokratin eine Verfechterin des Sozialstaates ist, mochte niemanden erstaunen.

Doch ihr dezidiertes und dennoch sehr persönliches Votum für den Sozialstaat liess manchen aufhorchen. «Wir haben ja tatsächlich ein sehr gut ausgebautes Sozialnetz. Es wird aufgefangen, wer in Not gerät. Das ist richtig so und soll so bleiben. Ich werde mich auch in Zukunft gegen den Sozialabbau wehren. Er droht von verschiedensten Seiten und wird notabene von lauter gesunden, festangestellten und gutbezahlten Männern und Frauen ausgeheckt», sagte die Rednerin kämpferisch.

Das soziale Netz gehöre zum schweizerischen Selbstverständnis und zur Lebensqualität. «Die Politikerin in mir weiss heute mehr denn je, dass es richtig ist, sich dafür einzusetzen, dass zu unserem Sozialnetz mit seinen Institutionen und Infrastrukturen Sorge getragen wird. Gewiss, das hat seinen Preis, aber eben auch seinen Wert – für Menschen, die darauf angewiesen sind.

Und das kann jede und jeder von uns einmal sein, denn Schicksalsschläge wie Arbeitsplatzverlust oder Krankheit fallen naturgemäss unerwartet in unser Leben ein.»

Lichtinstallation im Zelt

In neue Sphären stiess nicht nur die gemeinsame Feier vor, sondern auch die Lichtinstallation am Himmel des Zeltes. Ein Schweizerkreuz prangte über den Köpfen der knapp 600 Frauen, Männer und Kinder, die im Zelt Platz genommen hatten. Weitere rund 200 Gäste genossen den schönen Abend im Freien.

Damit waren es weit mehr Besucherinnen und Besucher als in den vergangenen Abenden. «Als die ersten Busse fast leer auf der Egg eintrafen, war uns schon etwas bang», gesteht OK-Mitglied Andreas Müller. Doch schon bald zeigte sich, dass die Sorge unberechtigt war. Der Busbetrieb bewährte sich, das Publikum nahm das Angebot an oder kam per Velo und zu Fuss auf die Egg.

«Konzept stimmt»

Zufrieden zeigte sich auch Verkehrsvereinspräsident Karl Spiess: «Der grosse Aufmarsch zeigt, dass das Konzept stimmt. Die gemeinsame Feier hat Zukunft.» Viel Lob von den Gästen gab es für die Gestaltung der Feier. Auf der Bühne zeigten die Aerokids ihr Können, Aachsänger und Musikgesellschaft Harmonie sorgten für die richtigen Töne und die emsigen Mitglieder der Jungmannschaft Hagenwil gaben ihr Bestes, damit alle Gäste versorgt wurden. Derweil genossen die jüngeren Gäste der Bundesfeier das für sie eigens zusammengestellte Programm.