Fast verborgene Kunst am Bau

Wasserspiel beim Stahel-Kreisel

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Wie der Verkehr rotiert das Wasser im Gegenuhrzeigersinn: Sehen tun das wegen ungünstiger Blickwinkel die Allerwenigsten. (Bild: Max Eichenberger)

Wie der Verkehr rotiert das Wasser im Gegenuhrzeigersinn: Sehen tun das wegen ungünstiger Blickwinkel die Allerwenigsten. (Bild: Max Eichenberger)

Arbon Nein, einen meterhohen Springbrunnen werde es sicher nicht geben im Auge des Stahel-Kreisels, weswegen vorbeifahrende Automobilisten den Scheibenwischer betätigen müssten, beruhigte Projektleiter Robert Heim. Aber «etwas Wirbel» werde es schon geben, schmunzelte der Ingenieur in Diensten des Kantons, der den Arbonern die neue Kantonsstrasse hingebaut hatte. Bestückt mit dem künstlerischen Brunnen, der heute noch vielen unbekannt ist, weil man sein Innenleben gar nicht sieht. Metallbauer Thomas Sonderegger hatte den stählernen Brunnen entworfen und erstellt.

Exklusiver Blick für die Anwohner

Wie der Verkehr im Kreisel im Gegenuhrzeigersinn fährt, wirbelt, durch Düsen in Bewegung gebracht, das Wasser im «Stahlbad». Scheinwerfer erzeugen ein faszinierendes Wassergemälde. Sogwellen brechen die Farben und bilden die Konturen fortwährend neu. Anwohner haben einen fast exklusiven Blick auf das Schauspiel. Wer hingegen mit dem Auto den Kreisel befährt, Bus- und Lastwagenfahrer ausgenommen, oder zu Fuss auf dem Trottoir unterwegs ist, nimmt es wegen der geringen Blickebene kaum wahr. Es sei denn, man quert die Fahrbahn, begibt sich in die Kreiselmitte und schaut direkt ins Auge des farbigen Wasserwirbels. Eine gewisse Höhe müssen Kreiselgestaltungen aufweisen, um die direkte Sicht zu brechen. Damit Autofahrer nicht einfach durchbrettern. Das hatte der Kanton auch beim Morgental-Kreisel verlangt. Weil die Stadt kein Geld hatte, um alle Arboner Kreisel mit Obelisken zu bestücken und ein entsprechendes Konzept zu realisieren, liess sie dort als Provisorium einen Betonring hinstellen. Doch diese Elemente kosteten auch stolze 52000 Franken. Sie waren nicht nur unschön, sondern wurden zudem als gefährlich taxiert. So kam dann der Kreisel-Beton wieder weg. Er dient heute anderswo als Abgrenzung einer Grüngut-Anlage. Dieses Schicksal wird dem Stahel-Kreisel-Brunnen nicht widerfahren. Er verdiente mindestens so viel Beachtung wie der «Tiefgang» auf dem Storchenplatz. Das Werk von Elisabeth Nembrini wird von Kunstbanausen als Meteowasser-Sammelbecken geschmäht.

Max Eichenberger

max.eichenberger@thurgauerzeitung.ch