Farben, ein stiller Reichtum

WEINFELDEN. Die Höhere Fachschule für Farbgestaltung in Zürich hat in fünf Thurgauer Städten, Dörfern und Landschaften die Farbigkeit untersucht. Das Haus der Farbe und das kantonale Amt für Denkmalpflege zeigen das Ergebnis in einer Ausstellung im Berufsbildungszentrum in Weinfelden.

Esther Simon
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Stefanie Wettstein, Co-Leiterin Haus der Farbe in Zürich, und der kantonale Denkmalpfleger Ruedi Elser an der Ausstellung zur Farbkultur im Berufsbildungszentrum in Weinfelden. (Bild: Reto Martin)

Stefanie Wettstein, Co-Leiterin Haus der Farbe in Zürich, und der kantonale Denkmalpfleger Ruedi Elser an der Ausstellung zur Farbkultur im Berufsbildungszentrum in Weinfelden. (Bild: Reto Martin)

Der Kanton Thurgau hat einen neuen Fan: Stefanie Wettstein, Co-Leiterin des Hauses der Farbe in Zürich. «Der Blick von aussen hat mir die Augen für das Schöne im Kanton Thurgau geöffnet», sagte sie an der Eröffnung der Ausstellung über Farbkultur im Berufsbildungszentrum in Weinfelden.

«Eine Farbe an einem Haus wird einem zwar erst dann bewusst, wenn sie stört, und man ärgert sich vielleicht ein bisschen über den Ausreisser. Aber man sieht eben auch das andere in diesem Kanton, das Schöne, das Unaufgeregte, die stillen Übereinkünfte der Menschen, die soliden Arbeiten. Im Thurgau hat das Normale Qualität. Die Farben vermitteln ein politisch neutrales Gefühl von Heimat.» Im Auftrag der kantonalen Denkmalpflege haben Stefanie Wettstein und ihr Team die Farbigkeit in fünf Thurgauer Siedlungsstrukturen untersucht, sowohl in kleinen Städten als auch auf dem Lande, und die Ergebnisse in der Wanderausstellung mit dem Namen «Stiller Reichtum – Farbkultur im Kanton Thurgau pflegen und gestalten» dargestellt.

Farbe muss sich entwickeln

Handgefertigte Farbkarten im Grossformat machen die reichen Facetten der untersuchten Siedlungssituationen und ihrer Farbwelten sichtbar. Begleitet werden die Farbkarten von weiteren Farbmustern, welche die Beurteilung von Farbqualitäten im architektonischen Zusammenhang erläutern und Hinweise zur technischen Umsetzung der Farbkarten geben. «Farbkarten sind aber keine Regelwerke», sagte Stefanie Wettstein, «Farbe muss sich entwickeln, die Entwicklung muss immer ein Zusammenspiel im Ensemble sein, sie darf nicht Ausdruck von Einzelinteressen sein.»

Das unterstrich auch der kantonale Denkmalpfleger Ruedi Elser: «Wichtig sind nicht die einzelnen Farbtöne, sondern ihr Zusammenwirken.» Die Ausstellung zeige viel Theorie, sagte Willi Spring, Rektor des Gewerblichen Bildungszentrums Weinfelden. «Irgendeiner muss diese Theorie umsetzen.» So gesehen sei die Ausstellung auf ihrer Wanderschaft durch den Kanton nun am richtigen Ort angekommen. Die Ausstellung eigne sich aber nicht nur für Zimmerleute und Schreiner, «auch andere Leute sollten sie sich anschauen. Bildung kann so auf ideale Weise stattfinden.» Spring ist überzeugt, dass es eine Farbkultur gibt. «Aber die Bandbreite ist halt ziemlich gross. Das zeigte nicht zuletzt die Diskussion um das blaue Haus in Ottoberg. Inzwischen hat die Natur ja ein bisschen korrigiert.» Wie sich der farbliche Eindruck im Wechsel der Jahreszeiten verändert, zeigt die Ausstellung eindrücklich.

Farbwahl entscheidend

«Die Farbwahl ist entscheidend», sagte auch der Weinfelder Gemeindepräsident Max Vögeli. «Farbe ist sichtbar und deshalb prägend.» Viele der Weinfelder Gebäude seien im Dorfkern. Er freue sich, dass die Liegenschaften gepflegt würden. Und er freue sich über die Mitwirkung der Denkmalpflege.

Bis 5. Dezember: Ausstellung offen von Montag bis Freitag, 7 bis 21.45 Uhr, Samstag 10 bis 17 Uhr, Sonntag geschlossen.