Fantastical: Nix für Vereine?

KREUZLINGEN. Kreuzlinger Sportvereine beklagen das finanzielle Risiko bei einer Teilnahme am Seenachtfest. Die Folge: Nur wenige der Clubs beteiligen sich am grossen Fest vom 12. bis 14. August.

Urs Brüschweiler
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Regen am Fantastical reisst Lücken in die Kassen der Standbetreiber. 2010 kamen rund 20 000 Besucher, nur halb so viele wie in guten Jahren. (Bild: Benjamin Manser)

Regen am Fantastical reisst Lücken in die Kassen der Standbetreiber. 2010 kamen rund 20 000 Besucher, nur halb so viele wie in guten Jahren. (Bild: Benjamin Manser)

«Der Schwimmclub verzichtet nach den negativen, letzten Erfahrungen in diesem Jahr bewusst auf das Mitmachen am Fantastical.» So war es im Bericht der Generalversammlung des SC Kreuzlingen nachzulesen. Auf Anfrage erklärt Vize-Präsident Roger Schläpfer die Beweggründe: «In den letzten beiden Jahren haben wir jeweils drauf gelegt.» Insbesondere das schlechte Wetter habe dazu geführt, dass der Getränke- und Wurststand der Wassersportler nicht rentierte. «Eigentlich wären wir gerne dabei, aber wir vermögen das Risiko nicht zu tragen.»

Schwierig, Personal zu finden

Eine Umfrage bei anderen grossen Kreuzlinger Sportvereinen zeigt ein ähnliches Bild. Pallavolo hat beim Fantastical 2010 nicht mitgemacht. In den Jahren davor war man in verschiedenen Formen aktiv dabei. Vereinspräsident Peter K. Rüegg spricht ebenfalls von einem finanziellen Risiko, sagt aber auch, dass es für die Volleyballer schwierig ist, das nötige Personal aufzutreiben.

Zu gefährlich für den Verein

René Maier, Präsident des Eishockeyclubs Kreuzlingen-Konstanz, hat ähnliche Erfahrungen gesammelt. Bei der ersten Ausgabe des Fantasticals mit dem neuen Konzept (2003) habe der Verein 9000 Franken Defizit erwirtschaftet. «Seither sind wir nicht mehr dabei. Das ist zu gefährlich für den Verein.» Deshalb habe er Verständnis für die Entscheidung des Schwimmclubs.

Die Handballer sind dabei am Fantastical, allerdings betreiben sie keine eigene Festwirtschaft. Mitglieder des HSC Kreuzlingen sind als Helfer bei der «Sealounge» im Einsatz und werden pauschal entschädigt. Bei einem eigenen Auftritt würden laut Präsident Patrick Müller Aufwand und Ertrag nicht übereinstimmen.

Thomas Gut, Geschäftsführer des Fantasticals, sind solche Aussagen bekannt. Sie sind für ihn aber unverständlich. Vereine hätten bei Standgebühren Sonderkonditionen. Für einen Top-Platz mit 80 Quadratmetern müssten sie 1300 Franken bezahlen. Von professionellen Betreibern verlange man 350 Franken mehr. Die Preise hätten sich nicht verändert.

Die Kasse kann auch klingeln

Bei schlechtem Wetter – wie es in den letzten Jahren der Fall war – bleibe natürlich ein Risiko. «Bei gutem Wetter kann man aber auch sehr viel Geld verdienen.» Er vermutet das wahre Problem beim Aufwand. Gut rät den Vereinen, sich etwas Spezielles einfallen zu lassen und nicht nur auf Kundschaft zu warten.

2010 waren unter 80 Standbetreibern gerade sieben Vereine. Diese Zahl habe sich aber in den letzten Jahren kaum verändert. «Für die Vereine, die dabei sind, stimmt's.» Und falls ein Verein lieber Helfereinsätze leisten wolle, bestehe dazu die Möglichkeit.