Fahrende Lebensretter

KREUZLINGEN. In den acht Kreuzlinger Stadtbussen fährt die Sicherheit künftig mit: In jedem Fahrzeug ist ein Defibrillator für die schnelle Wiederbelebung vorhanden, und die Chauffeure wurden als Ersthelfer ausgebildet.

Urs Brüschweiler
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Der Defibrillator wird beim Chauffeur sicher verstaut. (Bilder: Reto Martin)

Der Defibrillator wird beim Chauffeur sicher verstaut. (Bilder: Reto Martin)

«Jeder kann Leben retten.» Unter diese Leitidee stellt Stadtrat David Blatter die Anschaffung eines Defibrillators für jeden der acht Kreuzlinger Stadtbusse. Die mobilen Geräte zur Wiederherstellung des Herzrhythmus gibt es bereits in den Ortsbussen im Bündner Ferienort Davos. Jost Rüegg, Mitglied der Stadtbuskommission, regte Ende 2008 an, dieses Modell auch in Kreuzlingen zu verwenden.

David Blatter informierte an der gestrigen Medienkonferenz über einen Fall, der sich kürzlich in Zürich zugetragen habe. In einem Bus sei ein Mann mit Herzversagen zusammengebrochen. Ein Defibrillator – rechtzeitig eingesetzt – hätte an dieser Stelle vielleicht helfen können.

Skeptische Chauffeure

22 500 Franken investiert die Stadt in die Geräte und in die Ausbildung der Chauffeure. Obwohl die Defibrillatoren, welche von der Firma Penta Solutions in Kreuzlingen vertrieben werden, eigentlich von jedermann bedient werden können, absolvierten alle Stadtbus-Fahrer einen Kurs von einem Tag. Trotz anfänglicher Skepsis hätten sie nachher sehr positives Feedback gegeben. Martin Kühne, Betriebsleiter beim Stadtbus-Betreiber Eurobus, berichtet: «Die Chauffeure spürten zu Beginn eine Unsicherheit. Nach dem Kurs sind sie nun informiert und motiviert, hoffen aber trotzdem, dass sie ihr Wissen nicht einzusetzen brauchen.»

Stadtrat David Blatter sieht es ähnlich: «Vielleicht kommen diese Geräte nie zum Einsatz. Aber es verhält sich wie mit Medikamenten: Alle sind glücklich, dass es sie gibt, niemand wünscht sich, diese einnehmen zu müssen.»

Generell wolle man auch bei der Bevölkerung die Sinne für die Pflicht zur Hilfe im Notfall schärfen. Die natürlich vorhandenen Ängste und Hemmschwellen gelte es zu überwinden.

Das Gerät spricht

Bei den Defibrillatoren, welche nun in den acht Stadtbussen mitfahren werden, handle es sich um tragbare, anwenderfreundliche und zuverlässige Geräte, erklärt Sarah Blaumer, Verkaufsleiterin der Penta Solutions GmbH mit Sitz in Kreuzlingen. Eineinhalb Kilogramm wiegt eines der blauen Kistchen. Es kann für die Behandlung von Kindern und Erwachsenen eingesetzt werden. Im Bedarfsfall führt es den Anwender per Sprachsteuerung durch den Wiederbelebungsprozess.

Nur für die Fahrer zugänglich

Die Defibrillatoren sind nicht öffentlich zugänglich in den Bussen. Die Buschauffeure verstauen sie oberhalb der Fahrerkabine. Die Geräte in den acht Fahrzeugen sollen im übrigen nicht nur für die jährlich rund 1,2 Millionen Passagiere des Kreuzlinger Stadtbusses im Notfall ihren Dienst tun. Die Chauffeure steuern im Viertelstundentakt durch die städtischen Quartiere und sind an vielen Orten schnell zur Stelle. Man kann sich also vorstellen, dass ein Nothelfer auf einer Strasse einen vorbeifahrenden Stadtbus aufhalten und den Chauffeur um Hilfe bitten kann.

«Defi» im Bus: Stadtrat David Blatter, Patrick Nussbaumer (Eurobus), Sarah Blaumer (Penta Solutions).

«Defi» im Bus: Stadtrat David Blatter, Patrick Nussbaumer (Eurobus), Sarah Blaumer (Penta Solutions).

Hinweiskleber auf dem Bus.

Hinweiskleber auf dem Bus.

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