Fäkalien bleiben vorerst in der Bucht

Baden kann man in der Salmsacher Bucht nur auf eigenes Risiko. Durch die nahe Kläranlage und landwirtschaftliche Betriebe ist das Wasser verschmutzt. Die Gemeinde macht Druck, doch beim Kanton haben andere Projekte Priorität, wie Gewässerexperte Marco Baumann sagt.

Tanja von Arx
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Aachmündung bei Salmsach: Hier sollten Besucher vorsichtig sein beim Planschen. Das Wasser ist dreckig und zeitweise giftig. (Bilder: Reto Martin)

Aachmündung bei Salmsach: Hier sollten Besucher vorsichtig sein beim Planschen. Das Wasser ist dreckig und zeitweise giftig. (Bilder: Reto Martin)

SALMSACH. Zwar hat das kantonale Labor in diesem Monat die Wasserqualität für gut erklärt. Baden kann man in der Salmsacher Bucht aber trotzdem nur auf eigenes Risiko. Der Grund: Durch die nahe Kläranlage und landwirtschaftliche Betriebe ist das Wasser verschmutzt, das über die Aach in den Bodensee fliesst, und zwar mit Fäkalbakterien. Weil das Ufer flach ist, staut es sich im Seebecken.

«Es ist einfach blöd für uns»

«Wir finden, da muss etwas gehen», sagt der Salmsacher Gemeindepräsident Martin Haas. «Es ist einfach blöd für uns.» Vor zwei Jahren habe man den Anstoss für eine Machbarkeitsstudie gegeben, welche die Gemeinde und der Kanton getragen hätten. Die Kosten beliefen sich auf rund zwei Millionen Franken. Das Resultat war ein Sanierungsprojekt, das eine weitgehend eigenwirksame Wasserreinigung durch eine Umleitung der Aach über das angrenzende Naturschutzgebiet vorsieht.

Weiteres Geld hat Salmsach im Budget des laufenden Jahres gesprochen. Druck aufgebaut hat die Gemeinde zuletzt im Herbst, als man mit dem verantwortlichen Projektleiter sich an den Tisch setzte, sagt Haas. Er selbst habe zudem vor ein paar Tagen beim Amt für Umwelt des Kantons Thurgau nachgefragt.

Kanton hat keine Kapazität

Ohne Ergebnis. Das Projekt ist in der aktuellen Finanzplanung aufgeführt. Aus Kapazitätsgründen lässt es der Kanton aber liegen. «Andere Fliessgewässer im Thurgau haben Priorität», sagt der zuständige Abteilungsleiter Marco Baumann.

Die Dauer? «Keine Ahnung»

Allenfalls könne man im Herbst vorwärtsmachen. Dann werde ein neuer Mitarbeiter beim kantonalen Amt angestellt, der unter anderen das Salmsacher Vorhaben an die Hand nehme, sagt Baumann. Wann dieses realisiert wird, ist jedoch völlig offen. «Keine Ahnung», lautete gestern die knappe Auskunft. Zuerst müsse man das Projekt ausarbeiten, dann mit den zuständigen Stellen koordinieren. Dazu zählen die Gemeinde, der Kanton und die Grundeigentümer. Dann komme es zur Auflage und anschliessend zum Bewilligungsverfahren. Der Abteilungsleiter gibt zu bedenken: Als er vor zehn Jahren anfing, ging er das Sanierungsprojekt der Thur auf dem Abschnitt Weinfelden–Bürglen an. Bis heute liege keine Bewilligung vor.

Die Gemeinde bleibt gleichwohl dran. «Die Frage <Was unternehmen wir?>, liegt nun auf dem Tisch», sagt Martin Haas. Der Gemeindepräsident will in einem halben Jahr wieder beim Kanton anklopfen.

Ein Hinweis für Feriengäste

Auch Sabrina Hiller ist die Problematik bekannt, die seit einem Jahr in der Bucht Jurten an Feriengäste vermietet. Sie weist Besucher darauf hin, dass man baden gehen könne, wenn man vorsichtig ist. «Besonders mit kleinen Kindern.»

Marco Baumann Abteilungsleiter Wasserbau und Hydrometrie, Amt für Umwelt TG (Archivbild: Nana do Carmo)

Marco Baumann Abteilungsleiter Wasserbau und Hydrometrie, Amt für Umwelt TG (Archivbild: Nana do Carmo)

Martin Haas Gemeindepräsident von Salmsach (Bild: Reto Martin (Reto Martin))

Martin Haas Gemeindepräsident von Salmsach (Bild: Reto Martin (Reto Martin))