EUROVISION SONG CONTEST: «Wir geben alles»

Samuel Forster hat eine kurze Nacht hinter und stressige Monate vor sich: Der 34-Jährige aus Weinfelden ist Schlagzeuger der Band Timebelle. Er wird mit seinen Kollegen die Schweiz in Kiew vertreten.

Ida Sandl
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Das Siegerfoto: Samuel Forster aus Weinfelden, die rumänische Sängerin Miruna Manescu und ihr Landsmann Emanuel Andriescu, der wie Forster an der Musikschule in Weinfelden unterrichtet. (Bild: SRF/Mirco Rederlechner)

Das Siegerfoto: Samuel Forster aus Weinfelden, die rumänische Sängerin Miruna Manescu und ihr Landsmann Emanuel Andriescu, der wie Forster an der Musikschule in Weinfelden unterrichtet. (Bild: SRF/Mirco Rederlechner)

Seit Sonntagabend ist klar: Die Zuschauer wählten die Band Timebelle als Vertreter der Schweiz am Eurovision Song Contest (ESC) in Kiew. Im zweiten Versuch hat es für die Band geklappt.
 

Samuel Forster, wie war die Nacht nach der ESC-Entscheidungsshow?

Kurz. Es ist schwer zu schlafen, nachdem ein Traum in Erfüllung gegangen ist. Ich lag im Bett und habe den ganzen Abend noch ­einmal durchlebt. Ich konnte es nicht glauben, kann es immer noch nicht so recht glauben.

Kein Champagner nach dem Sieg?

Zuerst gab es nur Wasser. Wir hatten auch sofort Interviews und noch in der Nacht eine Koordinationssitzung. Nach eineinhalb Stunden gab es Champa­gner, aber nur ein Gläschen und später dann noch einen Schlummertrunk.

Timebelle will keine Zeit verlieren bis zum Halbfinal in Kiew.

Nein. Wir sind am Montag um halb sieben wieder aufgestanden, haben Interviews gegeben und am Song gearbeitet.

Woran müssen Sie noch arbeiten, der Song sitzt doch?

Wir werden an allem feilen, an unserem Auftritt, am Song, einfach an allem. Wir haben ein Team, das uns unterstützt. Was uns in Kiew erwartet, ist nochmals eine ganz andere Liga. Es fängt erst jetzt an. Es muss einfach alles perfekt sein.

Die nächsten Monate werden also stressig?

Ja – aber guter Stress. Wir planen auch Auftritte in verschiedenen Städten in Europa. Wir wollen uns den anderen Nationen vorstellen. Die nächsten Monate sind wir als Botschafter der Schweiz unterwegs und stolz dar­auf. Wir fühlen uns geehrt und nehmen unsere Aufgabe sehr ernst. Und wir wollen jeden Augenblick geniessen.

Die vielen Auftritte, geht das neben dem Beruf? Sie und zwei andere Bandmitglieder arbeiten als Musiklehrer in Weinfelden.

Die meisten Auftritte sind am Wochenende, das sollte also möglich sein. Es muss einfach gut koordiniert werden. Vielleicht müssen ein paar Musikstunden von anderen Lehrern übernommen werden. Deshalb die Botschaft an unsere Schüler: Übt fleissig.

Die Schüler sind jetzt sicher sehr stolz auf ihre Lehrer, haben schon viele gratuliert?

Ja, sehr viele. Ich habe über 200 Nachrichten erhalten. So viele wie noch nie. Und ich habe mir vorgenommen, alle zu beantworten.

Was ist in den nächsten Wochen das Wichtigste für Sie?

Dass wir ruhig bleiben und wir uns auf unser Ziel fokussieren und dass wir uns die Treue halten.

Timebelle stand vor zwei Jahren schon in der Ausscheidung für die Schweiz. Was war diesmal besser?

Das Resultat. (Lacht.) Wie diesmal galten wir damals auch als Favoriten. Wir hatten grosse Angst, dass es wieder so läuft und wir nicht gewinnen könnten. Wir sind auf der Bühne gestanden und haben uns sehr nervös an den Händen gehalten.

Haben Sie Angst vor dem Satz: «Suisse – zero points»?

Nein. Null Punkte, zwölf Punkte – darüber machen wir uns noch keine Gedanken, sondern konzentrieren uns nur auf unseren Song und unseren Auftritt. Unser Vorteil ist, dass wir bereits über die Landesgrenzen hinweg unterwegs sind. Miruna und Emanuel stammen aus Rumänien, und unsere grössten Fans, die uns schon jahrelang unterstützen, kommen aus Spanien, Rumänien, Ungarn oder Frankreich.

Kennen Sie sich schon lange?

Ja, wir sind seit 2013 zusammen, und Emanuel Andriescu kenne ich seit dem Studium. Diese Vertrautheit ist gerade jetzt sehr hilfreich.

Welche Erinnerungen verbinden Sie mit dem Eurovision Song Contest?

Ich habe den ESC in den 90ern zusammen mit meiner Grossmutter geschaut – aber nur die erste Hälfte. Vor der Punkteverteilung musste ich nämlich ins Bett.

Welcher Schweizer Beitrag hat sie beeindruckt?

Ich kann mich gut an DJ Bobos Auftritt im Jahr 2007 erinnern. Er ist einer der erfolgreichsten Schweizer Musiker – er trifft den Nerv der Zeit und hat tolle Choreographien.