Essen bringt Menschen zusammen

Das Migros-Kulturprozent hat vor fünf Jahren das Projekt Tavolata lanciert. Menschen ab 55 Jahren treffen sich dabei zum gemeinsamen Kochen, Essen und gesellschaftlichen Austausch. Jetzt soll auch in Amriswil eine Tavolata entstehen.

Maya Mussilier
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Ein wichtiger Aspekt der Tavolata ist das gesellschaftliche Beisammensein. (Bild: pd)

Ein wichtiger Aspekt der Tavolata ist das gesellschaftliche Beisammensein. (Bild: pd)

AMRISWIL. «Es ist eine tolle Sache», schwärmt Margrith Schweizer aus Bürglen. Sie spricht vom Projekt Tavolata, das vom Migros-Kulturprozent initiiert wurde. Als sie vor gut einem Jahr eine Informationsveranstaltung zu diesem Projekt besuchte, stellte Margrith Schweizer fest, dass sie bereits ein ähnliches Projekt, nämlich ein gemeinsames «Zmörgele» betrieb. Kurz entschlossen initiierte sie zusätzlich eine Mittagsrunde, eine Tavolata. Gleichzeitig entstand nach der Informationsveranstaltung in Weinfelden in Amlikon-Bissegg eine und in Bürglen eine zweite Tavolata.

Mit Frühstückstreffen gestartet

«Als ich pensioniert wurde, war ich oft im Garten und habe dabei mit Spaziergängern geplaudert», sagt Margrith Schweizer. Im Winter sei dann der Entscheid gefallen, ab und zu zusammen zu brunchen. «Wir sind zwischen drei und acht Personen, die sich alle 14 Tage treffen. Jeder bringt etwas zum Brunch mit, und nach dem Frühstück gibt es eine Spielrunde bis kurz vor Mittag.» Diese Frühstückstreffen hätten sie so bereichert, dass sie das Projekt Tavolata mit einem Mittagstisch unterstützen wollte. «Hier sind wir zwischen vier und fünf Personen. Wir treffen uns abwechslungsweise beieinander.» Bei der Tavolata koche jeweils der Gastgeber. «Der Menuplan wird dabei von unseren Ferienerlebnissen geprägt», erzählt Margrith Schweizer.

Für Margrith Schweizer ist klar: «Wenn man pensioniert ist, kann einem nichts Besseres passieren, als bei einer Tavolata dabei zu sein. Da entstehen richtige Freundschaften.»

Über hundert Tischrunden

Begeistert von der Tavolata ist auch Natalie Brägger, Projektleiterin Kommunikation/Kulturprozent, Migros Ostschweiz. Sie erklärt das Prinzip: «Tavolata ist eine vom Migros-Kulturprozent lancierte Initiative, die lokale Netzwerke fördert. Wir unterstützen Interessierte dabei, eine Tischgemeinschaft in ihrem Dorf oder Quartier zu gründen.» Vier bis acht Teilnehmende würden zusammen kochen und essen. Wichtig sei aber auch der Austausch in geselliger Runde.

Natalie Brägger freut sich: «Seit 2010 sind bereits über hundert Tavolata-Tischrunden in der Schweiz entstanden.» Beliebt sei das Projekt nicht nur in der Deutschschweiz. Gerade in der Romandie gebe es sehr viele Tischrunden und selbst im Tessin hätten sie Teilnehmer. «Als wir letzten Frühling das Projekt in Weinfelden vorstellten, hatten wir eine sehr gute Resonanz. Unter anderem ist danach die Bürgler Tischrunde von Margrith Schweizer zustande gekommen.» Nun wolle man versuchen auch in Amriswil eine oder mehrere Tavolate ins Leben zu rufen.

Jährliche Tagung

Nach der Informationsveranstaltung stünden sie Leuten, die eine Tavolata auf die Beine stellen wollen, mit Rat und Tat zur Seite. Unter anderem können sich die Tischrunden auf der Homepage www.tavolata.net registrieren. «Das ist freiwillig. Es gibt auch einige Gruppen, die sich nicht registrieren lassen», sagt Natalie Brägger. Die registrierten Gruppen werden einmal jährlich zu einer nationalen Tagung eingeladen und profitieren von Weiterbildungsangeboten.

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