Es wird eng für die Gärtner

ARBON. In Arbon gibt es immer weniger Schrebergärten. Zuletzt ging derjenige gegenüber dem Aldi verloren. Weitere sind von Überbauungsplänen bedroht. Der Familiengärtner-Verein hat die Hoffnung auf eine Trendwende nicht verloren.

Markus Schoch
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Ein Bild der Zerstörung bot der Schrebergarten gegenüber dem Aldi kurz vor der Räumung. (Bild: Markus Schoch)

Ein Bild der Zerstörung bot der Schrebergarten gegenüber dem Aldi kurz vor der Räumung. (Bild: Markus Schoch)

Es sah so aus, als sei ein Tornado über das Gelände gefegt. Der Boden war übersät mit Holz von Gartenhäusern, weisse Plastikstühle und blaue Tonnen lagen verstreut auf dem Areal. Auf einem Plattenboden ruhte einsam eine grosse Kühltruhe, wie es sie früher in jeder Badi gab. Dazwischen standen Menschen mit traurigen Blicken.

Es war jedoch kein Sturm, der alles zerstört hatte. Es waren Gärtner, die mit einer Mischung aus Wut und Resignation alles klein geschlagen hatten, was sie teilweise in jahrzehntelanger Arbeit aufgebaut hatten. Bis Ende März mussten die Pflanzer den Schrebergarten an der Rütistrasse gegenüber dem Aldi räumen.

Die AFG Immobilien als Besitzerin des Grundstücks will das Land am Hang verkaufen. Um in Verhandlungen mit möglichen Interessenten treten zu können, hätten die Mietverträge mit den Gärtnern aufgelöst werden müssen, sagt AFG-Sprecher Stefan Kern.

Immer weniger Platz

Das Schicksal des Schrebergartens der AFG ist kein Einzelfall. In den letzten Jahren sind bereits einige andere verschwunden, beispielsweise derjenige bei der ehemaligen Reithalle im Landquart-Gebiet. Ersatz für die Verluste gab es nicht in allen Fällen. Die Entwicklung lässt sich gut beim Familiengärtner-Verein ablesen, der die meisten Schrebergärten in Arbon hält. Er zählt noch 130 Mitglieder – das sind halb so viele wie zur Hochblüte in den 1980er-Jahren, sagt Präsident Horst Winkler.

Die Schrebergärten sind weiter in Bedrängnis. Gerade kürzlich musste derjenige bei der Kläranlage im Morgenthal zum grossen Teil den Ausbauplänen zum Energiepark weichen. Nur 26 der einst 67 Gärtner können dort weiter ihre Felder bestellen. Längerfristige Verträge haben die Gärtner darüber hinaus nur noch mit der Stadt für die Parzelle beim Pfadiheim und mit der Bürgergemeinde für das Land im Lärchenfeld gegenüber der Agrola-Tankstelle an der St. Gallerstrasse. Wie lange die evangelische Kirchgemeinde ihr Land unterhalb des Alters- und Pflegeheims den Gärtnern noch zur Verfügung stellt, ist unsicher. Im Moment sind sie nur noch auf Zusehen hin geduldet.

Hoffnung nicht aufgegeben

Vereinspräsident Winkler hat die Hoffnung nicht aufgegeben, dass sich für die Familiengärtner irgendwo noch eine Tür auftut. In der Pflicht sieht Winkler in erster Linie die Stadt. Im Zonenplan seien zwei Gebiete für Schrebergärten ausgeschieden, sagt Monique Trummer Kissling, die Informationsbeauftragte der Stadt Arbon. An einem der beiden Standorte habe es bereits Beete. Die andere Parzelle sei in Privatbesitz. «Die Stadt Arbon ist bereits aktiv geworden. Sie ist bemüht, im Rahmen ihrer Möglichkeiten Lösungen zu suchen», sagt Trummer.