Es wird eng für die Dörfer am See

… ist es brüskierend, wie sich die Ermatinger von der nationalen Boulevard-Zeitung drangsalieren lassen müssen. Nicht mal mehr den allseits beliebten und bekannten Jürgen Waidele können sie zur Bundesfeier einladen, ohne gleich als Vaterlandsverräter zu gelten.

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… ist es brüskierend, wie sich die Ermatinger von der nationalen Boulevard-Zeitung drangsalieren lassen müssen. Nicht mal mehr den allseits beliebten und bekannten Jürgen Waidele können sie zur Bundesfeier einladen, ohne gleich als Vaterlandsverräter zu gelten.

Angefangen hat das «Blick»-Dilemma mit der SVP-bi-dä-Lüüt-Schiffli-Affäre. Da konnte man die Argumentation verstehen. Aber wenn das so weitergeht, wirds eng für die Ermatinger. Was, wenn der «Blick» mitgekriegt hätte, dass Kurt Lauer am Pfingstmontag auf dem Bahnhofsplatz zum Frühschoppen aufgespielt hatte. Der Kult-Musiker ist immerhin gebürtiger Radolfzeller. Oder die Freibier-Musik aus Allensbach am Weinfest? Was ist mit denen? Auch andere Gemeinden am See müssen zittern. In Gottlieben redete im Vorjahr Tobias Engelsing zum 1. August. Der ist Direktor der Konstanzer Museen. Landrat Frank Hämmerle sprach 2010 gar in Kreuzlingen. Überhaupt diese unpatriotischen Gesellen im Bezirkshauptort: Sogar den Funken zündeten sie im letzten Jahr auf deutschem Hoheitsgebiet an. Der «Blick» müsste eine ganze Horde Reporter an den See schicken, um alle schamlosen deutsch-schweizerischen Verbrüderungsversuche bedingungslos aufzudecken. Dann wäre es auch vorbei mit dieser anderen Schiffli-Freundschaft zwischen Altnau und Hagnau.

Napoleon machte es einst ganz anders. Er schoss mit den Kanonen vom Arenenberg auf die Reichenau, zu Übungszwecken. Aber vielleicht sollte man es – «Blick» hin, SVP her – doch eher mit einer anderen historischen Figur vom Untersee halten: «Wir sind doch alles Alemannen hier am Bodensee», pflegte Ernst Mühlemann selig stets zu sagen. (ubr)