«Es war der richtige Schritt»

Vor zwanzig Jahren hat sich die Obstverwertungsgenossenschaft Oberaach mit der Ramseier AG zu einer Aktiengesellschaft zusammengeschlossen. Am Wochenende wird Jubiläum gefeiert.

Rita Kohn
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Die Mostsaison ist in vollem Gange. Hier liefert ein Produzent Mostobst in Oberaach an. (Bild: Reto Martin)

Die Mostsaison ist in vollem Gange. Hier liefert ein Produzent Mostobst in Oberaach an. (Bild: Reto Martin)

OBERAACH. Es war nicht allen wohl dabei. Für die Oberaacher Genossenschafter und die damalige Pomdor AG (heute Ramseier) war es 1995 ein grosser Schritt, durch Gründung einer gemeinsamen Tochterfirma die Mostobstverarbeitung am Standort Oberaach neu auszurichten und Ja zu sagen zur Ramseier Aachtal AG, damals noch Pomog AG.

«Es war der richtige Schritt», sagt Urs Huber heute. Der scheidende Geschäftsleiter der Landi Aachtal, die mit 28 Prozent Mitaktionärin der Ramseier Aachtal AG ist, ist froh, dass man sich vor zwanzig Jahren der Herausforderung stellte und die Neuausrichtung guthiess. Der Schulterschluss mit der Ramseier Suisse AG habe den Mostereistandort Oberaach gestärkt.

Standorte stillgelegt

Die Gründung der neuen AG hatte zur Folge, dass die Ramseier AG ihren Verarbeitungsbetrieb Gachnang stilllegte, und auf die Standorte der neu gegründeten Firma in Oberaach und Sulgen setzte. «Gründe dafür waren unter anderem, dass Oberaach und Sulgen im Zentrum des Anbaugebiets liegen», sagt Urs Huber. Mit einer Investition von 3,5 Millionen Franken in den Ausbau auf vier Obstpressen in Oberaach und der Einsatz modernster Technologie setzte die AG damals bereits ein Zeichen.

Der Konzentrationsprozess ging allerdings weiter, die Veränderungen auf dem Markt forderten weitere, mutige Entscheide. 2008 war klar, dass man sich auf einen einzigen Standort festlegen muss, um Kosten einzusparen. Sulgen und auch Wittenbach, wo noch eine kleinere Mosterei unterhalten wurde, wurden stillgelegt. Die beiden alten Obstpressen aus Sulgen wurden verkauft, in Oberaach realisierte die Firma einen Ausbau von vier auf sechs Obstpressen. Zudem baute man das Tanklager neu und schaffte so mehr Platz zur Lagerung von Obstsaftkonzentrat.

Niemals bewältigt

Rückblickend sagt Urs Huber, dass der Zeitpunkt für den Ausbau perfekt war. Denn nur kurze Zeit später stand eine Rekordernte an. 58 600 Tonnen Obst wurde in Oberaach verarbeitet. Rund 8600 Tonnen mehr als die bis dahin als Rekordernte geltende Menge von 50 000 Tonnen. «Wir hatten die Anlage so ausgelegt, dass wir eine solche Rekordernte wieder bewältigen könnten», sagt Urs Huber. Niemand habe damals damit gerechnet, dass es noch mehr werden könnte. «Es kam natürlich dazu, dass 2011 andere Abnehmer ihre Produzenten im Stich liessen und wir deren Obst zusätzlich übernahmen.»

Mit den alten Anlagen hätte diese Rekordernte niemals bewältigt werden können, ist Urs Huber überzeugt. «So aber konnten wir allen Produzenten Hand bieten und ihnen ihr Obst abnehmen.» Die grosszügige Haltung hat sich später bewährt. Urs Huber sagt: «Die Produzenten sind uns nachher bis auf eine Ausnahme treu geblieben.» Damit konnten auch die weniger guten Erntejahre verkraftet werden.

Heute grösste Mosterei

Mit dem Ausbau auf sechs Pressen und dem modernen Tanklager hat sich die Ramseier Aachtal AG zur grössten Mostobstverarbeiterin der Schweiz gemausert. «Hätten wir damals den Schritt zum Zusammenschluss nicht gewagt, wären wir heute wohl nicht mehr da», sagt Urs Huber unumwunden. Aber das heisse nicht, dass man sich auf den Lorbeeren ausruhen dürfe. «Die ständigen Veränderungen und Entwicklungen haben die Ramseier Aachtal AG dahin gebracht, wo sie heute steht. Will sie weiterkommen, wird sie sich weiter verändern und an den Markt anpassen müssen.»

Ihm ist auch bewusst, dass der Mostobstmarkt ein sehr schwieriger ist. «Wir sind nicht in der Lage, kurzfristig zu reagieren», sagt er. Die Anbaufläche beim Obst kann einfach auf die Schnelle erweitert werden, wie beim Getreide. «Die Bäume stehen und geben mal mehr und mal weniger Ertrag.» Deshalb sei es wichtig, mit den Produzenten ein gutes Verhältnis zu haben. «Sie können sich auf uns verlassen, das haben wir immer wieder bewiesen. Und sie beweisen uns nun, dass wir uns auch auf sie verlassen können», sagt er stolz.

Urs Huber Geschäftsleiter der Landi Aachtal AG in Oberaach (Bild: Reto Martin)

Urs Huber Geschäftsleiter der Landi Aachtal AG in Oberaach (Bild: Reto Martin)