«Es kommt nur Bio in Frage»

Jeden Freitagmorgen steht Renato Horat in Romanshorn auf dem Wochenmarkt und verkauft sein Gemüse aus eigenem biologischem Anbau. Er legt Wert auf die Herkunft von Produkten, genauso wichtig ist ihm der soziale Aspekt.

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Gärtner und Marktfahrer Renato Horat lebt von den Stammkunden. (Bild: Andrea Kern)

Gärtner und Marktfahrer Renato Horat lebt von den Stammkunden. (Bild: Andrea Kern)

Herr Horat, essen Sie lieber Früchte oder Gemüse?

Renato Horat: Da ich mehr Gemüse als Früchte anbiete, esse ich dementsprechend mehr Gemüse.

Auch während der Arbeit?

Horat: Haben Sie mich vorhin nicht beobachtet? (lacht) Ja, ich esse manchmal während des Verkaufens und natürlich auch beim Ernten. Ich muss schliesslich wissen, was ich verkaufe.

Assen Sie auch als Kind Gemüse?

Horat: Nein, überhaupt nicht. Fragen Sie ja meine Mutter nicht!

Ist bei Ihrem Angebot alles biologisch?

Horat: Ja, aber ich gehe noch einen Schritt weiter und produziere nach dem Bio-Demeter- Label. Ich arbeite zum Beispiel mit Heilkräutern und achte auf die Mondphasen. Dabei versuche ich, auf dem Hof eine Einheit zu bilden. Wenn etwas von aussen kommt, fällt die Einheit aus dem Gleichgewicht.

Wie beurteilen Sie demnach die anderen Biolabels?

Horat: Ich finde die Richtlinien und die Biolabels in Ordnung. Für mich selber spielen sie aber keine Rolle, da sowieso nichts anderes mehr in Frage kommt als Bio.

Ich bin da sehr konsequent.

Was machen Sie, wenn Produkte nicht biologisch erhältlich sind?

Horat: Man muss nicht immer alles haben. Und wenn ich mal einen Kaffee erhalte, dann trinke ich ihn natürlich auch. Denn für mich spielen soziale Aspekte eine genauso wichtige Rolle. Trotzdem verkaufe ich selber nur Produkte, die zu 100 Prozent dem Biolabel entsprechen.

Wieso werden nicht mehr biologische Produkte gekauft?

Horat: Im Vergleich zu früher gibt es heutzutage vor allem in den Supermärkten bedeutend mehr Bioprodukte. Es ist aber schade, dass viele Leute nicht darauf achten, woher sie ihre Produkte beziehen.

Das ist sehr aufwendig.

Horat: In der Tat ist die Welt derart globalisiert, dass man nicht mehr weiss, woher alles kommt. Deshalb sollten die Leute offener sein und schauen, was in der Umgebung läuft. Es geht dabei um Menschliches und Soziales, nicht primär um Bioprodukte.

Diese sind das Resultat davon, Lebensmittel, die gesund sind und einem gut tun. Ich versuche aber nicht, andere zu diesem Lebensstil zu überreden.

Wer kauft bei Ihnen ein?

Horat: Ich lebe vor allem von meinen Stammkunden. Manche Kunden wünschen spezielle Sorten. Dann kann es vorkommen, dass ich diese extra anpflanze. Zum Beispiel baue ich Gemüse an, das ursprünglich aus Südafrika oder aus Asien stammt.

Diese speziellen Sorten gedeihen in unserer Region?

Horat: Es gedeiht viel mehr, als die Leute denken, und das über das Standardangebot ausgeht.

2010 ist ja das Jahr der Biodiversität. Leisten Sie mit Ihrer Tätigkeit einen Beitrag dazu?

Horat: Ich hoffe doch, dass ich sowohl mit meiner Tätigkeit und auch mit meinem Hof in Lengwil/Oberhofen bei Kreuzlingen einen Beitrag dazu leiste. Aber auch hier ist der soziale Aspekt wesentlich.

Was bedeutet Ihnen der Markt?

Horat: Ein Ausgleich, denn ich bin sonst den ganzen Tag auf dem Feld. Auf dem Markt sehe ich, wohin die Produkte gehen. Dabei beobachte ich, dass mit der Zeit Kunden zu mir kommen, die sonst nichts mit Bioprodukten am Hut haben. Mein Beruf als Gärtner und Marktfahrer bereitet mir grosse Freude.

Interview: Andrea Kern