«Es kommt einiges aufs Sozialsystem zu»

Auch wenn die Reise der Flüchtlinge in der Schweiz ein Ende findet, sind die Probleme nicht gelöst. Die Arbeitnehmerbewegung lud zum Podium.

Markus Bösch
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Die Konflikte werden nicht weniger. Damit verbunden ist eine Zunahme von Flüchtlingen in der Schweiz. Gesellschaftliche und politische Folgen und auch Probleme beschäftigen. Die katholische Arbeitnehmerbewegung Romanshorn (KAB) lud deshalb kürzlich zum Podium. Unter dem Titel «Flüchtlinge – Potenzial, nicht nur Last» diskutierten Flüchtlinge, Seelsorger und Stadtrat.

Zweien fiel es schwer, sich einzubringen

Unter der Leitung von KAB-Vizepräsident Hanspeter Heeb debattierten Elvira Zuppinger (Arbeitsgemeinschaft Asylsuchende Thurgau, AGAThu), Karin Flury (Seelsorgerin im Empfangs- und Verfahrenszentrum für Asylsuchende, Kreuzlingen) und Stadtrat Peter Eberle. Mit dabei waren die Flüchtlinge Jeyarani Ravi aus Sri Lanka und Weldekidam Selemawit aus Eritrea.

Für die Flüchtlinge war es nicht leicht, sich in die Diskussion einzubringen. Auch, weil es Mut braucht, sich mit wenig Deutschkenntnissen mitzuteilen. Obwohl im Fall von Jeyarani Ravi rasch klar wurde: Wer sich nicht so gut in der deutschen Sprache ausdrückt, kann trotzdem dieser Sprache mächtig sein, halt einfach auf schriftlichem Weg.

Und etwas Zweites kristallisierte sich im Verlauf der Diskussion heraus: Bildung ist das A und O für erfolgreiche Integration. Beispielsweise in einem Arbeitsprozess. «Gleichzeitig braucht es individuelle Abklärungen der Flüchtlinge, die in ihren Heimatländern oft nur einige Jahre Schulbildung genossen haben. Und die ist zudem nicht immer gleichwertig mit der unsrigen», hielten die Teilnehmer fest.

Gleichwohl sei es nicht einfach, Flüchtlinge über Arbeit einzubinden, sagte die Integrationsverantwortliche Sibylle Hug. Würden doch gerade die Arbeitsplätze für weniger gut Qualifizierte immer weniger. «Und doch: Jede Institution hat die Möglichkeit, die Potenziale dieser Menschen auszuschöpfen. Ich bin überzeugt, dass wir ihnen möglichst früh gesellschaftlich sinnvolle Aufgaben übertragen müssen. Dann fühlen sie sich gebraucht», sagte Elvira Zuppinger. Sie seien stolz, etwas tun zu können, für einen selbst und für die Schweiz.

Wegen der Flucht sind einige traumatisiert

Mit in Betracht gezogen werden müsse man allerdings auch jene, die wegen ihrer Flucht traumatisiert hierher kämen. Sie bräuchten zuerst Betreuung, bevor man an Integration und Arbeit denken könne, sagte Seelsorgerin Flury. Nicht zu vergessen seien die finanziellen Belastungen für Bund, Kanton und Gemeinde. Mit zunehmenden Flüchtlingsströmen komme noch einiges auf uns und unsere Sozialsysteme zu, sagte Stadtrat Eberle.

Sie brächten Talente mit, die sie einbringen wollten. So könnten sie bei uns richtig ankommen, sagte Conny Ackermann vom Solinet Romanshorn. Es brauche Angebote, damit Schritte aufeinander zu stattfinden könnten. Jeweils am Mittwoch treffen sich Asylbewerber und Einheimische von 19 bis 22 Uhr im Jugendtreff. Neu gibt es am Montag von 15 bis 17 Uhr einen Frauentreff in der Gemeindestube des evangelischen Kirchgemeindehauses.