«Es klingt fast wie ein Alpaufzug»

Zum letzten Mal organisieren Katrin Kirner und Richarda Ernst dieses Jahr das Silvesterwecken in Ermatingen. Die beiden hoffen auf Nachfolger, die den traditionsreichen Brauch weiterführen werden.

Leandra Reiser
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Katrin Kirner zieht mit den Kindern, hier 2013, lärmend durchs Dorf. (Bild: pd)

Katrin Kirner zieht mit den Kindern, hier 2013, lärmend durchs Dorf. (Bild: pd)

ERMATINGEN. Kuhglocken, Vuvuzelas, Jagdhörner, Trillerpfeifen und Pfannendeckel: Der frühmorgendliche Lärm am letzten Tag des Jahres wird dieses Jahr hoffentlich nicht zum letzten Mal zu hören sein. Seit fünf Jahren stellen Katrin Kirner und Richarda Ernst das traditionelle Ausläuten des alten Jahres in Ermatingen auf die Beine. Ab nächstem Jahr wollen sie das Zepter aber weiterreichen.

Lärmen für ein gutes Neues

Etwa 20 Kinder besammeln sich jeweils um 5 Uhr morgens mit Pfannendeckel, Trillerpfeife und Co. ausgerüstet an der Stedi, wo sie von Katrin Kirner mit zusätzlichen Kuhglocken versorgt werden. «Mit den Glocken klingt das Ganze einfach so gut, wie ein Alpaufzug», meint sie. Während des Umzugs durchs Dorf macht die Gruppe so kräftig Lärm, bis jemand hier und da verschlafen den Kopf aus einem Fenster streckt. Erwartungen einer Gabe werden aber keine an die geweckten Einwohner gestellt. Das Ziel des Silvesterläutens bestehe lediglich darin, ein paar Leute aus dem Schlaf zu reissen, um ihnen als Dank für die Aufmerksamkeit ein frohes neues Jahr zu wünschen. Einige Guezli oder Süssigkeiten bekommt die Gruppe Frühaufsteher trotz ihrer Bescheidenheit immer. «Die Kinder jubeln aber nur schon, wenn in einem Haus das Licht angeht.»

Keine Sachbeschädigungen

Die Häuser blieben zur Freude der Anwohner stets vor Sachbeschädigung verschont, seit Katrin Kirner und Richarda Ernst die Organisation des Silvesterweckens übernommen haben. Die Route durchs Dorf wechselt jedes Jahr, doch vor dem Zuhause der jeweiligen Kinder und den Häusern der Schul- und Gemeindemitglieder wird meistens haltgemacht. Abschliessend sorgt Richarda Ernst am Mittagstisch in der Mehrzweckhalle für einen feinen, wohlverdienten Zmorgen, dessen Finanzierung die Gemeinde übernimmt.

Sie wollen die Tradition behalten

Katrin Kirner, die in einem kleinen Weiler aufgewachsen ist, kennt das Silvesterläuten aus ihrer eigenen Kindheit. Als sie vor einigen Jahren mit ihrem Kind zum Silvesterläuten mitgegangen ist, war bloss noch eine weitere Familie am Start. «Das kann nicht so weitergehen», dachte sie sich und übernahm zusammen mit Richarda Ernst die Organisation. Nun, da ihre Kinder schon älter sind und nicht mehr mitmachen, ist das Silvesterwecken für sie nicht mehr dasselbe. «Man wächst irgendwie mit seinen Kindern», erklärt Kirner. Bis jetzt hat sich noch niemand für die Nachfolge der beiden Ermatingerinnen gemeldet. Sie hoffen aber, dass sich noch jemand findet, der den Brauch in Zukunft weiterführen wird. Diese Tradition wollen sie in Ermatingen nämlich nicht aussterben lassen.

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