Es klingelt sehr laut in der Kasse

Satte fünf Millionen Franken Gewinn hat die Stadt Kreuzlingen 2012 erwirtschaftet, die Technischen Betriebe sogar acht Millionen. Diese Überschüsse sind zwar ausserordentlich, doch klar ist: Die öffentlichen Finanzen sind kerngesund.

Urs Brüschweiler
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Die Technischen Betriebe verkauften 2012 ihren Aktienanteil an der Stadtantenne Kreuzlingen AG im Nominalwert von 200 000 Franken. Im Bild die Satellitenanlage des Unternehmens im Mellgenten. (Archivbild: Nana do Carmo)

Die Technischen Betriebe verkauften 2012 ihren Aktienanteil an der Stadtantenne Kreuzlingen AG im Nominalwert von 200 000 Franken. Im Bild die Satellitenanlage des Unternehmens im Mellgenten. (Archivbild: Nana do Carmo)

KREUZLINGEN. «Wäre die Stadt ein börsenkotiertes Unternehmen, gäbe es Luftsprünge.» So erklärte Stadtammann Andreas Netzle gestern seine Gefühlslage angesichts der Präsentation der Jahresrechnungen von Stadt und Technischen Betrieben. «Bei öffentlichen Gemeinwesen ist das aber anders. Wir dürfen nicht zu viel einnehmen, sonst müsste man über die Tarife oder den Steuerfuss reden.»

5,1 Millionen Franken Überschuss stehen in der Rechnung der Stadtverwaltung per 2012. Damit liegt man nicht nur ein bisschen neben dem Budget, sondern massiv. Gerechnet hatte man mit einem kleinen Gewinn von rund 300 000 Franken. Entsprechend hatten der Stadtammann und Finanzchef Thomas Knupp Erklärungsbedarf. Den grössten Brocken machen 1,8 Millionen Franken Mehreinnahmen durch Steuernachzahlungen von juristischen Personen aus. «Das ist ein ausserordentliches Ereignis, mit dem wir nicht rechnen konnten», sagte Netzle.

Viel Land wechselte den Besitzer

Rekordeinnahmen generierten auch die Grundstückgewinnsteuern: Rund 1,7 Millionen Franken flossen durch sie in die Stadtkasse, 700 000 Franken mehr als erwartet. «So viel wird es aber wahrscheinlich nie mehr sein», bremste der Stadtammann gleich weitere Erwartungen. Auch die natürlichen Personen trugen – beeinflusst durch das Bevölkerungswachstum – zum guten Ergebnis bei. Sie bezahlten 2012 insgesamt 25,8 Millionen Franken Einkommens- und Vermögenssteuern, 800 000 Franken mehr als budgetiert. «Das alles sind Faktoren, die wir nicht gross beeinflussen können.» Was die Stadt allerdings in eigenen Händen hat, sind die Verwaltungsausgaben. Netzle ist deshalb stolz, dass man fast eine Million Franken weniger ausgegeben hatte, als ihr vom Gemeinderat und vom Volk bewilligt wurden. «Das zeigt unser kostenbewusstes Denken und Handeln.»

Wermutstropfen Sozialhilfe

Der einzige grössere Posten in der Rechnung, der schlechter als erwartet ausfiel, sind die Ausgaben für die öffentliche Sozialhilfe. 800 000 Franken über dem Budget lagen diese. Das habe viel damit zu tun, dass die Stadt neue Aufgaben vom Kanton zu übernehmen hatte. «Dieses Thema wird uns aber in den nächsten Jahren noch stark beschäftigen», sagte Netzle.

Mehr Vermögen als Schulden

Dank dem sehr guten Abschluss und den eher geringen Investitionen verfügt die Stadt Kreuzlingen damit erstmals seit 2005 über ein Nettovermögen. «Das wird allerdings nur vorübergehend sein.» Denn neben den Grossprojekten Schwimmhalle und Stadthaus stehen auch noch viele kleinere Vorhaben an.

Xentrum oder Steuersenkung

Einen Vorschlag für die Verwendung des Gewinns zu Handen des Gemeinderates macht der Stadtrat nicht. Für Vorfinanzierungen seien die Xentrum-Projekte zeitlich bereits zu nahe. Eines sei aber klar, stellte der Stadtammann fest: «Sollten diese nicht verwirklicht werden – was wir nicht hoffen – müssen wir die Steuern senken.»