Es kam nur Amriswil in Frage

AMRISWIL. Georgios Chalkidis kam der Liebe wegen nach Amriswil. Die Liebe ist vergangen, die neue Heimat ist geblieben. Seit einem Jahr betreibt der Grieche ein Lokal mit Spezialitäten aus seiner früheren Heimat.

Rita Kohn
Merken
Drucken
Teilen
Der Grieche Gegorgios Chalkidis fühlt sich seit über 25 Jahren in Amriswil zu Hause. (Bild: Rita Kohn)

Der Grieche Gegorgios Chalkidis fühlt sich seit über 25 Jahren in Amriswil zu Hause. (Bild: Rita Kohn)

Hinter Georgios Chalkidis liegt ein schwieriges Jahr. Klagen mag er aber nicht. Auch nicht darüber, dass es noch länger dauert, bis sein Lokal an der unteren Bahnhofstrasse wieder problemlos erreicht werden kann. Zwar wird in wenigen Wochen die Bahnunterführung eröffnet, doch in einigen Monaten wird die Sanierung und Umgestaltung der unteren Bahnhofstrasse in Angriff genommen – sofern die Amriswiler Stimmberechtigten den entsprechenden Kredit im Oktober an der Urne gutheissen.

«Auch diese Zeit wird vorüber- gehen», sagt Georgios Chalkidis mit einem Lächeln. Und er fügt hinzu: «Ich habe grosses Glück, dass mein Lokal das einzige griechische Lokal zwischen Romanshorn und St. Gallen ist. Da kommen die Gäste, auch wenn es etwas umständlich ist.»

Selbständig machen

Als Georgios Chalkidis 1990 nach Amriswil kam, dachte er bei weitem nicht darüber nach, ein Lokal zu eröffnen. «Ich kam hierher, weil meine Verlobte hier lebte.» Er sei in Griechenland aufgewachsen und habe auch dort studiert, bevor er zunächst nach Deutschland gezogen ist. Die Distanz wurde zum Problem. «Wir mussten eine Lösung finden. Deshalb zog ich in die Schweiz.» Die damalige Liebe ist vergangen, aber Amriswil als Heimat ist Georgios Chalkidis geblieben.

Viele Jahre arbeitete der Grieche bei der Firma Tripel als Maschinenmechaniker, später bei der Ems-Chemie. Georgios Chalkidis träumte aber davon, selbständig zu werden, eine eigene Existenz aufzubauen. Schliesslich wagte er den Sprung und eröffnete vor einem Jahr das «El Greco» in Amriswil. «Eigentlich wollte ich meinem Lokal einen ganz anderen Namen geben», verrät er mit einem Schmunzeln. Aber für seine Freunde und Bekannten war er der «Greco». Also war es schliesslich klar, dass auch sein Lokal so heissen würde. «Es lag auf der Hand», sagt der «Greco» mit einem Schmunzeln.

Ein Fremder in Griechenland

Irgendwann nach Griechenland zurückzukehren ist für Georgios Chalkidis derzeit kein Thema. Das habe aber nichts mit den aktuellen Problemen von Griechenland zu tun, sagt er und ereifert sich. Den normalen Griechen würde es gar nicht so schlecht gehen, sagt er. Vieles werde hier verzerrt dargestellt. «Wenn die Griechen 60 Euro am Tag am Bancomaten beziehen können, ist das nicht so wenig, wie alle denken. Es sind immerhin 1800 Euro pro Monat. Das ist in Griechenland viel Geld.» Wer arbeiten wolle, habe auch Arbeit. Die Probleme seien bei den Banken und den Politikern.

Dass er nicht zurück nach Griechenland möchte, hat vor allem mit seinem kleinen Sohn zu tun, der derzeit in Amriswil den Kindergarten besucht. «Er wäre in Griechenland ein Fremder.» So, wie er selber in Amriswil lange Zeit ein Fremder war. Heute fühlt sich Georgios Chalkidis in Amriswil zu Hause. «Ich habe versucht, hier Wurzeln zu schlagen.» Er habe Freunde gefunden und fühle sich wohl. «Deshalb war für mich auch von Anfang an klar, dass ich mein Lokal hier in Amriswil eröffnen werde.»

Mit den Leuten feiern

Wer den Weg ins «El Greco» findet, erlebt eine Verschmelzung der Kulturen. Georgios Chalkidis und seine Ehefrau, die noch bei der Eugster Frismag arbeitet, haben der ehemaligen Quartierbeiz mit Bildern und Dekorationen ein Flair von Griechenland gegeben und doch vieles gelassen, wie es war. «Wir machen, was uns möglich ist», sagt der Wirt offen. Die Leute würden sich bei ihm wohl fühlen, und sie kämen ja vor allem wegen der Küche. Die bietet vor allem griechische Spezialitäten. «Wir haben nichts Vorgefertigtes aus der Tiefkühltruhe», betont der Wirt stolz.

Immer wieder mal wird im «El Greco» gefeiert. Das Lokal gilt bei einigen als Geheimtip, sie fühlen sich wohl und geniessen die Atmosphäre bei Georgios Chalkidis. «Wir feiern manchmal auch zusammen», sagt er mit einem breiten Lächeln und lässt seine griechische Seele offen zu- tage treten. Und wenn er auf das blickt, was noch vor ihm liegt, sagt er mit sehr viel Hoffnung in der Stimme: «Nach der Bauzeit an der Unteren Bahnhofstrasse finden uns bestimmt auch wieder mehr Gäste.»