«Es ist noch nichts im Trockenen»

KREUZLINGEN. Der Konstanzer Gemeinderat hat entschieden, die gefällten Bäume im Tägermoos durch Schwarzpappeln zu ersetzen. Für Jost Rüegg ist das ein Erfolg. Er will sich weiter für den Erhalt der Allee einsetzen.

Martina Eggenberger Lenz
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Jost Rüegg Vertreter von WWF Thurgau und der Bürgerinitiative (Bild: Nicole D'Orazio)

Jost Rüegg Vertreter von WWF Thurgau und der Bürgerinitiative (Bild: Nicole D'Orazio)

Herr Rüegg, der Konstanzer Gemeinderat hat am Donnerstag über die Pappelallee im Tägermoos debattiert. Auch Sie sind zu Wort gekommen. Wie haben Sie die Diskussion erlebt?

Jost Rüegg: Ich durfte das Wort ergreifen, nachdem ein entsprechender Antrag mit 22 zu 16 gutgeheissen wurde. Ich bin froh, dass ich mich als Stimme aus der Schweiz äussern durfte im Rat. Schliesslich war ich von Anfang an involviert. Ich habe damals von den Förstern die Bewilligung für die Fällaktion sehen wollen. Nachdem sie keine vorweisen konnten, habe ich die Polizei eingeschaltet. Praktisch gleichzeitig verhängte der Konstanzer OB den Fällstop. Man hat die Bedeutung der Allee völlig verkannt.

In Ihrem Statement äusserten Sie einmal mehr den Verdacht, man habe die Bäume nur aus Kostengründen fällen wollen. Fällen ist günstiger als pflegen.

Rüegg: Der Betrag von 25 000 Euro jährlichen Kosten für die Pflege der Bäume ist meiner Ansicht nach, das bestätigt auch unser Experte, viel zu hoch gegriffen. Wir meinen, es wäre durchaus möglich, die Pappeln für 10 000 Euro instand zu halten. Es ist immer das Gleiche: Will man einen Baum loshaben, argumentiert man mit der Sicherheit. Doch dieser Grund ist vorgeschoben, die Gefahr wird hochstilisiert. Die Pappeln im Tägermoos sind weder krank noch stellen sie ein Sicherheitsrisiko dar.

Jetzt hat der Konstanzer Gemeinderat entschieden, die gefällten Hybridpappeln mit Schwarzpappeln wieder aufzuforsten. Aus Ihrer Sicht der richtige Entscheid?

Rüegg: Ich bin der Meinung, man hätte gut wieder Hybridpappeln setzen können. Es hat sich in den letzten 60 Jahren gezeigt, dass diese sich auf dem Boden im Tägermoos wohl fühlen. Nun hat man sich für die einheimische Schwarzpappel entschieden, aus ideologischen Gründen. Bleibt zu hoffen, dass sich das nicht als Fehler erweist. Es ist nämlich keineswegs sicher, dass die Schwarzpappeln im Tägermoos gut gedeihen.

Konstanzer Umweltschutzverbände hätten am liebsten einen Auenwald statt Pappeln gehabt.

Rüegg: Ja, aber davon halte ich wenig. Es gehören nun halt einmal Pappeln in diese Allee.

Die Stadt Konstanz hat zugesichert, eine Gruppe von Interessenvertretern in die weitere Zukunftsplanung der Allee mit einzubeziehen. Bleiben Sie im Boot?

Rüegg: Auf jeden Fall. Einerseits bin ich als Vertreter von WWF Thurgau in die Vernehmlassung involviert. Andererseits engagiere ich mich weiter für die Bürgerinitiative. Ich trage zwei Hüte, mit der gleichen Absicht. Es ist ein grosser Erfolg, dass die Angelegenheit im Konstanzer Gemeinderat diskutiert wurde und dass der Entscheid gefällt wurde, die Bäume wieder aufzuforsten. Am Donnerstag wurde das richtige Signal gesendet. Allerdings ist die Zukunft der Allee noch nicht im Trockenen. Derzeit ist vieles noch sehr offen formuliert und alles möglich.