Es ist nie zu spät

Fredi ist unzufrieden: «Es sind immer die unangenehmen Dinge, die einem rückblickend zuerst einfallen», nörgelt er.

Chretzer
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Fredi ist unzufrieden: «Es sind immer die unangenehmen Dinge, die einem rückblickend zuerst einfallen», nörgelt er. «Der Streit um die Pappelallee, der Streit in der Kirche, der Streit um den Chef von Salenstein…» Der Chretzer tröstet: «Im Privatleben der meisten Leute gab es schöne Erlebnisse. Weisst du noch: der Sprung in den See im Sommer, dann der schöne Abend beim Seenachtsfest? Die Hochzeit bei den Groppen, die Taufe der kleinen Vespa, der Lachkrampf beim Film der Männerriege?» Fredi ist besänftigt: «Man braucht sich ja nur mit Menschen in anderen Ländern zu vergleichen, um zufrieden zu werden», räumt er ein. «Trotzdem – so toll war 2015 nicht.» Nein, denkt der Chretzer. Toll war es vielleicht nicht, aber er hat ganz schön was geschafft. Nichts Weltbewegendes, aber er hat das Jahr mit Anstand rumbekommen. Auch seine Lieblingsstadt hat ein paar Pendenzen abgearbeitet. Wir haben einen neuen Schulpräsidenten und einen neuen Organisator der Gewa. Die Ludothek bleibt uns erhalten. Wir senken Steuern. Wir schliessen Baulücken. Und wir haben eine Bergstrasse, die wieder befahrbar ist. Die Stadt kann zufrieden sein, selbst wenn nicht alles fertig ist. Boulevard, Bahnhof Bernrain, Schlosswiese, Parkhaus, Stadthaus oder Schwimmbad werden uns noch eine Weile beschäftigen. Solange die Welt nicht friedlicher wird, werden Menschen aus aller Herren Länder zu uns kommen, um zu bleiben oder weggeschickt zu werden. Fast bekommt der Chretzer angesichts solcher Aufgaben doch schlechte Laune. Dann reisst er sich wieder zusammen: «Dir ist im vergangenen Jahr doch einiges gelungen», sagt er dem Freund. «Du hast mich mindestens dreimal zum Lachen gebracht. Jetzt hast du noch ein paar Stunden Zeit, das Jahr mit einer weiteren guten Tat zu beenden.»

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