«Es ist alles das Werk des Vaters»

Braten nach Grossmutters Art mit Kartoffelstock, Gehacktes mit Hörnli: Wer Hausmannskost essen will, der geht in die Wirtschaft zum Eigenhof in Weinfelden. Seit anderthalb Jahren ist Sabrina Bornhauser die Junior-Chefin. Ein Leben zwischen Tradition und Moderne.

Esther Simon
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Nach dem Mittagessen ist im «Eigenhof» die Zeit für die Planung gekommen: Maria Suter und Sabrina Bornhauser besprechen die Weinkarte. (Bild: Reto Martin)

Nach dem Mittagessen ist im «Eigenhof» die Zeit für die Planung gekommen: Maria Suter und Sabrina Bornhauser besprechen die Weinkarte. (Bild: Reto Martin)

WEINFELDEN. Die 32jährige Sabrina Bornhauser weiss selber nicht so recht, als was sie sich bezeichnen soll. «Junior-Chefin trifft wohl am ehesten zu», sagt sie. Seit anderthalb Jahren managt die gelernte Köchin den «Eigenhof» an der Seite ihres Vaters Hans-Kaspar Bornhauser. Der unangefochtene Chef im Haus ist immer noch er. Das stimmt so für die Tochter. «Ich konnte mich ja ins gemachte Nest setzen», sagt sie. «Dafür bin ich den Vorfahren und meinem Vater sehr dankbar. Es ist ja alles das Werk meines Vaters.»

Damit meint Sabrina Bornhauser die gut gehende Wirtschaft, die neuen und die vielen treuen Gäste, die schönen Räume mit der gepflegten Einrichtung. «Er hat den Eigenhof 1986 umgebaut und modernisiert und zu dem gemacht, was er heute ist.»

In sechster Generation

Die junge Frau arbeitet im «Eigenhof» in sechster Generation, seit einer ihrer Vorfahren, der Tierarzt Kaspar Bornhauser, 1861 die Wirtschaft mit Umschwung übernommen hatte (siehe Kasten). «Ich halte die Tradition hoch. Das Familienerbe weiterzuführen, das macht mich stolz», sagt sie. Aber sie weiss, dass sie mittelfristig einen Weg zwischen dieser Tradition und der Moderne finden muss.

An manchen Tagen geht es schon heiss zu und her in der Wirtschaft mit den insgesamt 135 Plätzen und der Terrasse. Besonders am Mittag kommen viele Gäste unangemeldet zum Essen, die schnell und gut bedient werden wollen. Da gibt es nur eines: anpacken. Das hat Sabrina Bornhauser nicht nur zu Hause, sondern auch in vielen fremden Küchen im Ausland gelernt. Sabrina Bornhauser ist glücklich, dass sie sich auch in strengen Zeiten auf ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verlassen kann. Vier sind es in der Küche, zwei im Service, Peter Langhart und Maria Suter. Beide gehören schon fast zum Inventar und sind bei den Gästen beliebt. Maria arbeitet schon seit 32 Jahren im «Eigenhof».

Die grossen Stützen

«Maria und Peter sind meine grossen Stützen», sagt die Junior-Chefin anerkennend. Der «Eigenhof» bietet auch noch Catering an. Dazu kommen grössere Anlässe wie das legendäre Weinfest am Ende der Schulferien im Sommer und der Betrieb der Haxen-Beiz an der Wega. Dass der «Eigenhof» auch am Sonntag offen ist, das freut die Junior-Chefin. Sonntage sind besondere Tage, die Menschen sind entspannter als unter der Woche. In einer ruhigeren Minute kommt Sabrina Bornhauser gerne aus der Küche und zeigt sich ihren Gästen. Kontakte pflegen, das ist wichtig für sie. Auch mit den anderen Restaurants im Dorf pflegt sie ein gutes Verhältnis. «Wenn etwas fehlt, helfen wir uns aus. Anders geht es ja nicht», sagt sie. Von einer Wand in der Wirtschaft blickt ein bisschen streng eine Frau aus einem gerahmten Bild. Es ist Anna Bornhauser, die Urgrossmutter von Sabrina Bornhauser.

Bild: ESTHER SIMON

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