Es geht nicht um eine unfreundliche Übernahme

Was wären die Vorteile einer Volksschulgemeinde Kreuzlingen-Bottighofen-Lengwil?

Drucken
Teilen
Jürg Schenkel Kreuzlinger Schulpräsident (Bild: MARIO GACCIOLI)

Jürg Schenkel Kreuzlinger Schulpräsident (Bild: MARIO GACCIOLI)

Was wären die Vorteile einer Volksschulgemeinde Kreuzlingen-Bottighofen-Lengwil?

Im Vordergrund stehen organisatorische und finanzielle Aspekte. Ökonomisch stellt sich die Frage der kritischen Grösse einer Unternehmung. Grosse Konzerne können nur träge reagieren, während Kleinstunternehmer nur beschränkte Ressourcen haben, ihre Produktivität zu verbessern. Bei Schulen ist dies nicht viel anders. Es gibt Aufgaben zu erfüllen, deren Aufwand sich nicht proportional zur Schülerzahl verhält, was sich bei den Kosten pro Schüler und den Verwaltungskosten niederschlägt.

Was bedeutet das konkret?

In Bottighofen sind die Schülerkosten gegenüber Kreuzlingen rund 20 Prozent höher, bei der Verwaltung doppelt so hoch. Es wäre falsch, aus den vom Kanton erhobenen Daten einen Benchmark abzuleiten. Es zeigt auf, dass eine grössere Schuleinheit die Möglichkeit eines effizienteren Mitteleinsatzes hat und auch personell Synergien nutzen kann.

Warum brachten Sie diese Idee gerade jetzt ins Spiel?

Schon vor über zehn Jahren wurde die Gründung einer Volksschulgemeinde in der Behörde thematisiert, aber wegen der Situation der Nachbargemeinden nicht weiterverfolgt. Zwischenzeitlich hat sich die Situation so geändert, dass ich bei einer Wiederwahl die letzte Amtsperiode antrete und die Ausarbeitung eines aussagekräftigen Grundlagenpapiers nicht einer Nachfolgerin oder Nachfolger abschieben möchte.

Wie weit ist die Arbeitsgruppe, die sich des Themas angenommen hat?

In Zusammenarbeit mit einer neutralen Begleitung wurde eine Auslegeordnung der möglichen Organisationsformen vorgenommen. Bei einer Güterabwägung aller Vor- und Nachteile kam die Arbeitsgruppe zum Schluss, die Gründung einer Volksschulgemeinde weiterzuprüfen und die Abklärungen unter Einbezug der Nachbargemeinden voranzutreiben.

Können Sie die Ängste der Bottighofer verstehen?

Ich verstehe, dass der Verlust der jetzigen Autonomie, die bei einer Volksschule nicht mehr im gleichen Rahmen bestehen würde, Unbehagen auslöst. Allerdings besteht kein Grund, Angst aufkommen zu lassen. Es geht ja nicht um eine unfreundliche Übernahme der Primarschulgemeinden Bottighofen und Oberhofen-Lengwil. Vielmehr geht es darum, transparente, unbeschönigte Entscheidungsgrundlagen zu erarbeiten, die der Bevölkerung eine Meinungsbildung ermöglichen. So, wie man auch zum Entschluss kam, eine Sekundarschulgemeinde zu gründen, was der «kleinen» Volksschulgemeinde entspricht.

In welchem Zeithorizont wäre die Einführung einer Volksschule möglich?

Wenn man die notwendigen Prozesse berücksichtigt, ist es denkbar, eine Botschaft in rund zwei Jahren dem Volk vorzulegen. Sollte jede Gemeinde separat dem Antrag für die Gründung einer Volksschulgemeinde zustimmen, wäre der Start ab Schuljahr 2015/16 denkbar. (ndo)