«Es entsteht eine Parallelwelt»

Hanspeter Füllemann und Peter Welti Cavegn informierten über den Umgang von Jugendlichen mit digitalen Medien. Auch die Eltern stünden in der Pflicht.

Cyrill Rüegger
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Hanspeter Füllemann und Peter Welti Cavegn gaben Auskunft. (Bilder: Cyrill Rüegger)

Hanspeter Füllemann und Peter Welti Cavegn gaben Auskunft. (Bilder: Cyrill Rüegger)

SCHÖNHOLZERSWILEN. «Wir hatten in den letzten beiden Jahren einzelne Fälle, in denen nicht-altersgemässe Internet-Inhalte unter den Schülern verbreitet wurden», sagt Britta Lacher von der Schulbehörde der VSG Nollen. «Deshalb thematisieren wir den Umgang mit digitalen Medien in diesem Schuljahr speziell.»

In diesem Zusammenhang stand auch der Vortrag von Peter Welti Cavegn und Hanspeter Füllemann am Montagabend. Etwa 50 interessierte Personen fanden sich in der Mehrzweckhalle ein.

Medien mit wichtiger Funktion

«Grundsätzlich sorgen Medien für soziale Integration», erklärte Hanspeter Füllemann, Fachstellenleiter an der Pädagogischen Hochschule Kreuzlingen. «Die Jugendlichen diskutieren beispielsweise über den neuesten Kinofilm oder treten via soziale Netzwerke miteinander in Kontakt.» Für Kinder sei der Umgang mit digitalen Medien nichts Aussergewöhnliches. «Sie sind digitale Eingeborene, und wir Eltern sind wie Besucher mit starkem Migrationshintergrund.» Durch das Internet entwickle sich quasi eine Parallelwelt, in welcher die Kinder Erfahrungen abseits des realen Lebens machten. «Allerdings sind die Kids häufig leichtsinnig und stellen Informationen ins Internet, ohne die Folgen zu kennen», sagte Füllemann. Viele Daten blieben nämlich im Netz gespeichert, auch nachdem sie vom Benutzer gelöscht wurden.

Grundkenntnisse erforderlich

Es sei deshalb wichtig, dass die Eltern gewisse Grundkenntnisse hätten und den Kindern die Gefahren aufzeigen könnten.

Weshalb Knaben durch Videospiele gefährdeter seien als Mädchen, wollte eine Zuhörerin zum Schluss wissen. «Eigentlich ist es umgekehrt», antwortete Peter Welti Cavegn vom Verband Perspektive Thurgau. «Mädchen gamen zwar seltener, aber sie sind anfälliger auf die negativen Folgen. Jungs brauchen mehr Abwechslung und werden so schneller aus der fiktiven Welt herausgerissen.»