ERWEITERUNG TIERPARK KREUZLINGEN: Kreuzlinger Tierfreunde geraten sich wegen Tierpark in die Haare

Beide wollen nur das Beste für die Ziegen und Schafe – aber das ist nicht das Gleiche. Mit einer Einsprache blockiert der WWF die Erweiterungspläne des Tierparkvereins. Präsident Elmar Raschle ist sauer.

Annina Flaig
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Tierparkpräsident Elmar Raschle und Kassierin Ruth Beringer stehen vor den Musterzäunen beim geplanten Weideland. (Bild: Annina Flaig)

Tierparkpräsident Elmar Raschle und Kassierin Ruth Beringer stehen vor den Musterzäunen beim geplanten Weideland. (Bild: Annina Flaig)

Annina Flaig

annina.flaig@thurgauerzeitung.ch

Die Tierparkfreunde machen sich auf Facebook Luft: «Es ist nicht zu glauben, was in Kreuzlingen abgeht. Nicht einmal den Tieren zuliebe ist man bereit, Boden herzugeben.» Das schreibt eine Frau, die erfahren hat, dass der WWF gegen die geplante Erweiterung des Tierparks Einsprache eingereicht hat. Die meisten zeigen kein Verständnis für den WWF. «Typisch Grüne», schreibt etwa eine andere. «Es ist nicht okay, dass sich der Tierpark zum Opfer macht und der WWF nun als Bölimann dasteht», wehrt sich WWF-Mitglied und Kantonsrat Jost Rüegg, der die Beschwerde zusammen mit Gabriele Aebli, Co-Präsidentin des WWF Thurgau, und Guido Leutenegger eingereicht hat.

Die Tiere leiden an Würmern

Ausgelöst hat das Kopfschütteln ein Artikel der «Kreuzlinger Zeitung». Darin heisst es, dass der Verein Tierpark beabsichtigt rund 7000 Quadratmeter Land gegenüber den bestehenden Stallungen als Weideland für Ziegen und Schafe zu nutzen. Dies als Provisorium begrenzt auf fünf Jahre. Dazu will der Verein einen 1,5 Meter hohen Zaun errichten sowie mobile Unterstände aufstellen. Musterzäune stehen derzeit dort zur Ansicht. Mit der Weide will der Verein dem Parasitenproblem entgegenwirken. Denn die Tiere leiden laut Kassierin Ruth Beringer an Würmern. «Die bestehende Fläche ist zu klein und stark verschmutzt, sodass die Tiere ihren eigenen Kot fressen.»

«Die Einsprache war eine Einladung zum Gespräch»

Das beabsichtigte Weideland gehört der Stadt, wo man laut Ruedi Wolfender, Leiter Departement Gesellschaft, das Vorhaben des Tierparkvereins unterstütze und das Baugesuch unterschrieben habe. Im Dezember hat der WWF dann Einsprache erhoben. «Das machen wir immer so, wenn wir Ungereimtheiten feststellen», räumt Jost Rüegg ein. So verstossen die Pläne laut Rüegg gegen den Richtplan, weil die besagte Fläche darin als extensiv bewirtschaftete Wiese ausgewiesen ist. «Das würde bedeuten, dass man die Tiere dort nur weiden lässt und nicht zufüttert», so Rüegg.

Überdies sei man durch die Expertise des zuständigen Tierarztes zur Ansicht gekommen, dass das zusätzliche Weideland zu klein ist, um das Parasitenproblem zu lösen. «Vielmehr müsste man den Tierbestand reduzieren oder die Tiere auf der Alp übersömmern.» Rüegg versteht nicht, wieso Präsident Elmar Raschle nicht mit sich reden lässt. «Aus unserer Sicht ist eine Einsprache immer eine Einladung zum Gespräch und zur gemeinsamen Lösungssuche.» Doch das Gespräch hat nie stattgefunden. Respektive offenbar an einem ungünstigen Zeitpunkt unter falschem Vorwand.

Der Tierparkverein hat einen Anwalt eingeschaltet

So sagt Elmar Raschle, dass Guido Leutenegger zwischen zwei Sitzungen telefonisch versucht habe auf ihn einzureden, was offenbar in einem unschönen Wortwechsel geendet hat. Seither herrscht Funkstille. «Ich bin enttäuscht über das Vorgehen des WWF und unterdessen echt sauer über die haltlosen Behauptungen», sagt Raschle. Ein vom Tierparkverein beigezogener Jurist hat eine Stellungnahme abgefasst. Darin steht laut Raschle, dass der Tierpark nichts anderes als Weideland beabsichtigt. Den Bestand zu reduzieren oder auf die Alp zu geben sei nicht im Sinne des Tierparks. «Wir möchten den Leuten ja ermöglichen die alten und selten gewordenen Haustierrassen hier zu erleben.»

Der Verein suche eine Möglichkeit, die Anlage zwischenzeitlich zu vergrössern. Dies, bis 2022 die angrenzenden Tennisplätze zur geplanten Halle im Seezelg gezügelt werden und der Park dorthin vergrössert werden kann. Die Papiere liegen nun beim kantonalen Departement für Bau und Umwelt, denn die Stadt kann als Grundstückbesitzerin nicht urteilen. «Wir haben versucht zu vermitteln», sagt Wolfender. Von Seite der Stadt sei man bereit. Die Wiese wurde angesät und ist unterdessen so gewachsen, dass sie abgegrast werden könnte.