ERMATINGEN: Praxis Spatzenhof holt Verstärkung

Vor vier Jahren gab es keinen Hausarzt mehr im Dorf. Jetzt gibt es wieder drei. Zusammen praktizieren sie in der genossenschaftlichen Gemeinschaftspraxis - ein Modell, das im Thurgau bisher einzigartig ist.

Annina Flaig
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Die Ärztinnen Christa Krämer und Claudia Stiebing im Gespräch mit Max Dössegger in der Praxis Spatzenhof. (Bild: Andrea Stalder)

Die Ärztinnen Christa Krämer und Claudia Stiebing im Gespräch mit Max Dössegger in der Praxis Spatzenhof. (Bild: Andrea Stalder)

Annina Flaig

annina.flaig@thurgauerzeitung.ch

Anders als in anderen Gemeinden freut man sich in Ermatingen über einen Ärztezuwachs, und zwar in der Gemeinschaftspraxis Spatzenhof. «Grandios», frohlockt Max Dössegger. Der langjährige Haus- und pensionierte Kantonsarzt kämpft in seiner Heimat seit vier Jahren dafür, dass die Salensteiner und Ermatinger eine ärztliche Versorgung in der Nähe haben, nachdem 2013 die letzte Hausarztpraxis geschlossen worden war.

Wohnungen zur Praxis umgebaut

Das Problem ist bekannt: Die wenigen Ärzte, die überhaupt als Hausärzte praktizieren wollen, erhalten nur schwer eine Hypothek, um eine Praxis zu finanzieren. Deshalb hat Dössegger sich das Modell einer genossenschaftlichen Gemeinschaftspraxis zum Vorbild genommen, welches es in Ebnat-Kappel gibt. Es funktioniert so, dass eine Genossenschaft eine Praxis baut und die Räumlichkeiten inklusive Mobiliar an Ärzte vermietet. Dössegger hat die Idee zusammen mit der Genossenschaft Spatzenhof realisiert und in einem der beiden Mehrfamilienhäuser der Genossenschaft zwei Wohnungen und einen Gemeinschaftsraum zu einer Praxis umgebaut. Dössegger ist unterdessen als Vorstandsmitglied für die Praxis zuständig. Die beiden Ärzte, Josef Gatti und Christa Krämer, die sich zusammen eingemietet hatten, trennten sich kurz nach der Eröffnung aufgrund von Unstimmigkeiten wieder (unsere Zeitung berichtete). Seither hatte Krämer die Praxis, die für zwei bis drei Ärzte konzipiert ist, alleine geführt. «Gerade bei Männern hat es beispielsweise bei urologischen Beschwerden manchmal Hemmschwellen gegeben», berichtet sie.

Ärztin empfiehlt das Modell weiter

Per Mundpropaganda hat Christa Krämer nun zwei neue Partner gefunden. Seit Januar respektive Oktober arbeiten Hausarzt Thomas Wolffgram an zwei Tagen und Kinderärztin Claudia Stiebing an vier Tagen pro Woche in der Praxis. Ausserdem bieten Lara Di Lenardo und Christine Hasler Akkupunktur und Craniosakraltherapie an. «Ich bin froh, dass ich nun Unterstützung habe», sagt Krämer, die ihre Patienten neu an drei Tagen betreut. Das Modell in den Räumlichkeiten der Genossenschaft bezeichnet sie als ideal. «Ich musste keine Immobilie kaufen.» Ausserdem arbeite sie, anders als Ärzte in anderen Gemeinschaftspraxen, völlig unabhängig und nehme von der Genossenschaft keinerlei Weisungen entgegen, da diese ja lediglich als Vermieterin fungiere.

Eine ähnliche Lösung wird derzeit in Siegershausen realisiert (vgl. Kasten). Vor dem Hintergrund der schwindenden Hausärzte empfehlen sowohl Krämer als auch Dössegger anderen Thurgauer Gemeinden, mal etwas genauer nach Ermatingen zu schielen.