ERMATINGEN: Jetzt regiert der Gropp

Da nützten auch seine Nachhilfestunden in der Türkei nichts mehr: Die Narren starteten gestern zum Putsch gegen Gemeindepräsident Martin Stuber.

Margrith Pfister-Kübler
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Margrith Pfister-Kübler

kreuzlingen@thurgauerzeitung.ch

Gestern Freitag steuerten die Ermatinger Narren einem weiteren Höhepunkt der Groppen-Fasnacht zu. Das stimmungsvolle Panikorchester marschierte musizierend zuerst zum Kindergarten, um den jüngsten Narrensamen abzuholen; danach gings zum Primarschulhaus, wo Lehrerschaft und Schüler bunt kostümiert der Befreiung harrten. Der frech dekorierte rund 14 Meter lange Narrenbaum war bereits beim Schulhaus geparkt und wurde in einem närrischen Umzug zum Rathaus getragen und dort gesetzt.

Unter grossem Hallo traten der grün behutete Gemeindepräsident Martin Stuber und seine Getreuen aus der «sicheren Rathaushöhle». Einschüchtern wollte der «Chef vom Stubiland» die Groppen; denn er sei gerade von einem Erdogan-Lehrgang aus der Türkei zurück. Er werde die Fasnachtszeitung verbieten, die Gemeindeversammlung aufheben, und zwischendurch liess er die Drohung vom Einsatz des Radars des Geheimdienstes aufblitzen. Aber die Übermacht der Narren war zu gross, und so stand Gemeindepräsident Martin Stuber auf verlorenem Posten, ausgesetzt dem närrischen Putschversuch.

Der Obergropp erlässt ein Dekret

Obergropp Rico Thurnheer hatte «Stubi» blitzschnell mit launigen Worten entmachtet. Er berief sich auf die SVP-Artillerie und die Order, die Demokratie nicht absinken zu lassen. Der Obergropp erliess das Dekret, was eine Verordnung durch die Behörde ist: «Im Jahr 2018 zahlen alle keine Steuern.»

Stuber nahm die Angriffe mit närrischem Humor. Politische Korrektheit hin oder her. Die Gropp-Regierung gilt in Ermatingen ohnehin nur bis Montag. Mit dem Machtschlüssel in der Hand liess Obergropp Rico Thurnherr alsdann ganz versöhnlich den entmachteten «Stubi» als allerbesten Gemeindepräsi hochleben, der mit Würde und Stolz alle Angriffe abwettert. Das närrische Volk jubelte und das Panikorchester heizte die frühlingshaften Temperaturen zusätzlich auf. Die akustischen Leistungen der Gugge drangen überall durch, ganz nach dem Prinzip «Lebensfreude pur». Mit Süssigkeiten und Aperitif durfte sich das Volk stärken und es wurde kräftig zugelangt.