ERMATINGEN: Im Reich von Guido Leutenegger

Der Fonds Landschaft Schweiz hat zum zweiten Thurgauer Morgenspaziergang ins Hochstamm-Gebiet des Gutsbetriebs Ulmberg in Ermatingen eingeladen. Es war ein Rundgang, der aufhorchen liess.

Margrith Pfister-Kübler
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Auf Wassergraben-Spuren oberhalb des Wolfsbergs: Joggi Rieder, Gemeindepräsident Martin Stuber, Regierungsrätin Cornelia Komposch, Landwirtin und Betriebsleiterin Selma Regenscheit, Guido Leutenegger und Humbert Entress. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Auf Wassergraben-Spuren oberhalb des Wolfsbergs: Joggi Rieder, Gemeindepräsident Martin Stuber, Regierungsrätin Cornelia Komposch, Landwirtin und Betriebsleiterin Selma Regenscheit, Guido Leutenegger und Humbert Entress. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

ERMATINGEN. «Im helvetischen Jubiläumsjahr 1991 hat das eidgenössische Parlament den Fonds Landschaft Schweiz (FLS) geschaffen. Und wir im Thurgau sind dadurch besonders privilegiert», sagte Humbert Entress, Jurist und Präsident der Stiftung Seebachtal, gestern um 6 Uhr früh zur Begrüssung auf dem Rundgang auf dem Pachtbetrieb Ulmberg. Vor Ort wurde erlebbar gemacht, was Hochstamm-Obstgärten, deren Erhaltung und Erneuerung der FLS mit finanziellen Anreizen für die Pflanzung junger Bäume gefördert hat und weiterhin fördert, vermögen.

Regierungsrätin Cornelia Komposch, Ermatingens Gemeindepräsident Martin Stuber, Joggi Rieder, Naturwissenschafter ETH, Kantonsingenieur Andy Heller, Kantonstierarzt Paul Witzig und sowie Vertreter von «Natur konkret» waren mit von der Partie.

«Der Ulmberg ist ein wichtiger Standort», sagte Guido Leutenegger, Pächter des Gutsbetriebs Ulmberg, der im Besitz des Textilunternehmers Uwe Holy steht. Er stellte seine Firma «Natur Konkret» vor. Die Philosophie lag offen. Leutenegger, seit Jahrzehnten berühmt als Umwelt- und Naturschützer und früherer Kreuzlinger Stadtrat, hat sich mit fortwährendem Hinterfragen von guter Natur für Tier, Pflanzen und Menschen, die lebensrelevant sein können, einen Namen geschaffen.

Gute Beziehung zu den Tieren

Und so hat er sich die diplomierte Landwirtin Selma Regenscheit aus Wigoltingen als Betriebsleiterin für den Ulmberg geholt. Und während die Wiesen-Güggel krähten und die Wiesen-Hühner gackerten, die Hochlandrinder neugierig zwischen den Hecken hervorlugten, wurden auch die Engadiner Schafe bewundert. «Es sind schöne Schafe, gesund, fruchtbar, und sie mögen steile Borde», schwärmte Landwirtin Selma Regenscheit. Es ist zu spüren, dass sie eine gute Beziehung zu ihren Tieren hat. Grandios sei ihre Arbeit, meinte sie. Leutenegger ergänzte, dass das Fleisch der Engadiner Schafe relativ fettarm und ohne den typischen Schafgeschmack sei. Er analysierte und erzählte von der Realität von Fleischproben. «In Deutschland schlachten sie die Hühner nach 28 Tagen, die können kaum laufen. 82 Cent für ein Kilo Pouletfleisch bekommt der Bauer», sagte Leutenegger und belegte mit weiteren Beispielen kenntnisreich, wie «billig» billig ist. Schweizer Poulets sind mindestens 42 Tage alt.

Der Rundgang führte durch Hochstammanlagen, wo auch ein toter Hochstamm als Nistplatz seine Aufgabe hat. Es ging durch eine Zwetschgen-Allee unterhalb des Wolfsbergs bis zu Wassergräben in halb vernässten Wiesen mit grosser Vielfalt an Tieren und Pflanzen. «Nein, Moderlieschen gibt es bisher nicht in diesem Wassergraben», sagte Joggi Rieder. «Aber ich habe in meinem Teich zu Hause Moderlieschen», freute sich Martin Stuber. Von allen Seiten bekommt er Komplimente für das schöne Ermatingen.

Komposch ist auch Bäuerin

Und Regierungsrätin Cornelia Komposch gesteht mit glänzenden Augen: «Von Guido Leutenegger, diesem Querdenker, und dieser tollen Betriebsleiterin Selma Regenscheit bin ich total begeistert. Besonders von der Nachhaltigkeit der Betriebsführung und wie die Natur dabei ihren Platz hat und sie dabei finanziell existieren können.» Dabei entfesselte die Regierungsrätin ihre Leidenschaft für die Landwirtschaft: «Ich würde auch mal wieder <buure>. Ich bin auch Bäuerin.»