ERMATINGEN: Gropp im Glück

Stürmischen Applaus gab’s bei der Dorffasnacht für die märchenhaften Shows, die grandiose Musik und die Inszenierung mit starken Leistungen.

Margrith Pfister-Kübler
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Die Geisslein haben ihren grossen Auftritt. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Die Geisslein haben ihren grossen Auftritt. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Margrith Pfister-Kübler

kreuzlingen

@thurgauerzeitung.ch

Ein Knusperhäuschen, ein Zauberwald und Pilze: Das Bühnenbild in der Ermatinger Mehrzweckhalle ist am Mittwochabend toll. Es ist Premiere für die Groppenfasnachtsshow. Das närrisch gekleidete Publikum bringt weiter Farbe in die Halle. Zu sehen sind Sujets, die darstellen, was es in Ermatingen «nicht mehr gibt», von der Fischbeiz «Trischli» bis zum «Löwen».

Als Groppenstilzchen im Stubiland steht Obergropp Rico Thurnheer in der Bütt: «Ach wie gut, dass niemand weiss, dass ich Groppenstilzchen heiss», sagt er. Bei diesem Refrain singt die ganze Halle mit, während der Obergropp feine Psychogramme in Reimen zeichnet. Vom «Stubi» – damit ist Gemeindepräsident Martin Stuber gemeint – bis zum Virus-Skilager oder dem Dransfeld-Napoleonturm.

Magier und Hexe haben zu allem was zu sagen

Quer durchs Programm, so quasi als Leittiere, vergrössern immer wieder Andi Plüer und Saskia Geisselhardt als Magier Merlin und Hexe Viviane mit Ulk und Scharfsinn das Vergnügen: Sie lassen Trump, Bonzen, Füdlibürger, Märli-Emigranten, Wolfsberg-Abriss, Stedi, Bauten im Stil Berliner Plattenbauten und Alterskonzept vom Stapel, agieren mit Widerstand dank Grüninger-Zaubertrank. Lacher auslösende Lebenshilfe wie «ein Leben lang entschlacken oder von innen gegen Falten drücken» leistet die Araber-Helpline. Schlicht der Wahnsinn, das ist die Saxofongruppe Troubadixe. Diese bringt sensationell groovende Töne. Auch von den Wortspielereien des quietschlustigen Rotstilzchens und des Rumpelkäppchens mit Hänsel ist das Publikum begeistert.

Der «Schofseckel» in der Person von Jürg Stauffer lässt den Wolf los, schnippelt aus den Märchen List und Tücke, vom Wolf, der alle gefressen hat, von Trump bis Putin. Dann setzt der «Schofseckel» mit der Lektion Jugendsprache eins drauf: «So schnorret euri Chind: Rüsselpest ist Pfnüsel, Piercing ist Abschleppöse.» Stauffer macht die Mehrzweckhalle zur erzieherischen Zauberhöhle.

Schlumpfensänger rühren zu Tränen

Musikalisch nehmen die Groppmatinger Dorfmusikanten, die Marderschrecke, das Publikum mit in den Groppenhimmel. Emo­tionen ins Spiel bringen die Schlumpfensänger. Da bleibt kein Auge trocken. «La, la, la», singen alle mit. Viele kritische Anspielungen stecken in der Szene «Wolf und die sieben Geisslein und so». Da wird geklagt – betreffend Bahnhof und Post. «Nächstens schliessen sie die Kirche, die Schule, und auf dem Polizeiposten gibt es eine Schulagentur.» Die Geisslein locken den Wolf in eine Gondel. Die fährt Richtung Gnadensee. Dort «säuft der Wolf ab» und liegt noch heute auf dem Seegrund. Grandiose Schlusspunkte setzen die Stefflittchen und die 28 Zwerge. Beim Grande Finale rollt die Begeisterung in hohen Wogen durch die Halle. Auch musikalisch lieferte der Märchenabend Festival-Stil.