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ERMATINGEN: Auf der Jagd nach dem Glitzern

Seit fast dreissig Jahren fischt Rolf Meier im Bodensee. Seit Beginn begleitet den Berufsfischer dabei dasselbe Boot – und auch seine Freude am Beruf ist nach wie vor ungebrochen.
Viola Stäheli
Der Ermatinger Berufsfischer Rolf Meier auf seinem Boot. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Der Ermatinger Berufsfischer Rolf Meier auf seinem Boot. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Viola Stäheli

viola.staeheli@thurgauerzeitung.ch

Stockdunkel ist es, nur die Stirnlampe beleuchtet das Boot. Rolf Meier ist gerade dabei dieses zu beladen – drei graue Kisten und eine Kühlbox, dazu eine Schwimmweste. Alles hat seinen festen Platz. Der See ist ruhig, kleine Wellen kräuseln die Oberfläche. «Die drei Kisten sollen alle gefüllt sein, wenn ich wieder zurückkomme», sagt Meier.

Die Rede ist von Felchen und Eglis – auf diese macht der Ermatinger Berufsfischer derzeit Jagd. Jetzt um vier Uhr morgens holt er seine Netze ein, die er am Vortag ausgelegt hat. Sein Fang wird anschliessend im Restaurant See­garten zum Verzehr angeboten, seine Frau und deren Schwester übernehmen die Zubereitung. Den überschüssigen Fisch räuchert Meier. «Wenn ich aber einen allzugrossen Überschuss habe, verkaufe ich auch Fisch», sagt er. Dies ist aber selten der Fall. Seit 1989 ist Meier auf dem See unterwegs. Seit Beginn fährt er dabei mit dem gleichen Boot hinaus. Klein und aus Polyester – ohne besonderen Schnickschnack, alles auf dem Boot erfüllt seinen Zweck. Zum Beispiel der Setzbock. Was aussieht wie ein zu klein geratener, durchlöcherter Masten ohne Segel ist für das Einholen der Netze unabdingbar. Meier ist eben dabei eine Eisenstange in eines der Löcher zu stecken und beginnt, an dieser das Netz aufzuwickeln.

Fliessend sind die Bewegungen des Fischers. Stück für Stück holt er das Netz aus dem Wasser, entwirrt die Maschen und entfernt kleines Treibgut. Und dann erscheint das erste Glitzern im Schein der Stirnlampe. Ein Felchen ist ins Netz geschwommen – ein starker Schlag auf den Kopf des Fisches, und schon liegt er in der ersten grauen Kiste, die mit Eis aus der Kühlbox gefüllt ist.

«An meinem Job liebe ich alles», sagt Meier. Sei es frühmorgens als Erster auf dem See zu sein, um die Netze einzuholen, die Fische später zu filetieren oder am Abend die Netze wieder auszulegen. «Solange ich ein Jucken in den Fingern spüre, wenn ich losfahre, werde ich Fischer bleiben», sagt Meier. Warum aber geht er so früh los, um die Netze einzuholen? «Weil der Fisch am Mittag auf dem Tisch sein muss und die Temperaturen am Morgen am angenehmsten sind», sagt er lachend.

Täglich fünf bis sechs Stunden auf dem See

Eigentlich hatte der Berufsfischer, der in Mammern aufgewachsen ist, andere berufliche Pläne: Ursprünglich wollte Meier eine Lehre als Landwirt absolvieren, fand aber keine passende Stelle. Dafür gelangte er zu einer freien Lehrstelle als Forellenzüchter, die er kurzerhand antrat. Das war der Anfang seiner Karriere. Von den acht Schweizer Fischern am Untersee ist er mit seinen 51 Jahren noch immer der jüngste.

Pro Tag verbringt Meier fünf bis sechs Stunden mit seinem Boot auf dem Bodensee. Und das will er auch nicht missen – selbst in den Ferien zieht es ihn mit seiner Familie stets ans Gewässer. «Wenn ich in meinen Ferien ausserdem mit einem lokalen Fischer mitgehen kann, lehne ich bestimmt nicht ab», sagt Meier verschmitzt. Schliesslich könne man immer dazulernen. Am liebsten ist er aber immer noch zu Hause.

Meier hält einen Moment inne, schaltet die Stirnlampe aus und lauscht. Das Krächzen der Möwen, das Rumpeln des Zuges, die ersten Autos auf den Strassen, das Plätschern des Wassers. In der Luft liegt der Geruch von Fisch. Es ist heller geworden, die Felchennetze sind beinahe komplett eingeholt und die ersten beiden Kisten gefüllt. Meier knipst seine Lampe wieder an und macht sich weiter an die Arbeit. Heute soll seine Hoffnung in Erfüllung gehen: Auch die dritte Kiste wird er gefüllt nach Hause bringen – aber nicht mit Felchen, sondern mit Eglis.

www.seegarten-ermatingen.ch

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