ERMATINGEN: Aktienkauf kommt vors Volk

Für den Erwerb von fünf Dampfschiffaktien in der Höhe von 5000 Franken muss der Gemeinderat im November einen Kredit vorlegen. Der Verlust der Jahresrechnung ist geringer als befürchtet.

Margrith Pfister-Kübler
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Einen ganzen Strauss an Informationen legte Gemeindepräsident Martin Stuber am Montag zu Beginn der Rechnungsversammlung vor: 48 Stimmbürger nahmen teil. Der Zuzug nach Ermatingen hält unverändert an: Drei Prozent Zuwachs im 2016, das sind 102 Personen. Total sind es 3302 Einwohner per Ende 2016 – 2236 Schweizer und 966 Ausländer. Acht Asylbewerber wohnen im Dorf. 53 Baugesuche (im 2015: 48) wurden im 2016 bearbeitet, drei zurückgewiesen und vier Gesuche wurde zurückgezogen. Die Baukommission hat 237 Entscheide gefällt.

Beim Gestaltungsplan Pöschen seien komplizierte Rekurse eingereicht worden, sagte ­Stuber. Das hatte bereits sieben Rechtsverfahren zur Folge und 50000 Franken Anwaltskosten. Gesamthaft fielen aber bisher weniger Anwaltskosten als angenommen an. Pöschen ist am Westrand des Dorfes, im Gebiet zwischen Hauptstrasse und Bahnlinie, dort soll eine moderne Siedlung mit Mehr- und Einfamilienhäusern entstehen. Auch ist in diesem Quartier ein neuer zentraler Spielplatz vorgesehen.

Gemeinderat Benjamin Kasper erläuterte weitere Eckwerte der Jahresrechnung 2016, die mit einem Minus von 199984 Franken (budgetiert war ein Defizit von 525700 Franken) schliesst. Die gute Nachricht: Das Defizit ist um 326000 Franken kleiner als budgetiert. Dazu trugen höhere Steuereinnahmen bei den natürlichen Personen bei. Kasper lobte die hohe Budgettreue. Bei der Feuerwehr gab’s einen höheren Besoldungsaufwand wegen des Hochwassers. Steigend sei der Aufwand in der öffentlichen Sozialhilfe. Die Steuerkraft pro Einwohner liege bei 2877 Franken.

Zu hohe Kosten in der allgemeinen Verwaltung

Stimmbürger Hanspeter Neuweiler störte die Erhöhung der Kosten bei der allgemeinen Verwaltung. Im 2015 seien es noch 1,57 Millionen, im 2016 bereits 1,77 Millionen. «Dies ist eine Erhöhung um 13 Prozent», sagte er mit Blick auf die Abstimmung über die neue Gemeindeordnung im November. Stuber wehrte sich: «Wir sind die Letzten, die das so wollen», und wies auf die hohen administrativen Entwicklungen hin, die vom Bund auf die Kantone und dann auf die Gemeinden drückten. Reto Lagler stört die Regulierungsgläubigkeit. Er wünschte, dass beim Baureglement und Zonenplan nur das reguliert wird, was absolut zwingend ist. Peter Hausammann monierte, dass die Zeichnung der fünf Dampfschiffaktien zu je tausend Franken nicht in der Kompetenz der Behörde liege. Die Zeichnung sei zu stornieren. Die 5000 Franken lägen zwar in der Kompetenz des Gemeinderates, sagte Stuber. Aber bei den Aktien für dieses Öko-Dampfschiff sei es wohl anders. Ausserdem würde das Geld, wenn das Dampfschiff nicht zur Realisierung käme, wieder zurückbezahlt. Er nahm der Sache den Wind aus den Segeln, indem er bestätigte, dass an der Budgetgemeinde ein Kredit für die Dampfschiffaktien vorgelegt wird.

Letztlich genehmigten die Stimmbürger Jahresbericht und Rechnung einstimmig. Der Verlust wird dem Eigenkapital belastet. Zum Schluss gab es eine Ehrung. «Die Kapelle St. Nikolaus in Triboltingen gehört der Gemeinde und nicht der Kirche», begründete Stuber die Verabschiedung von Mesmerin Lea Biefer. Sie hat sich seit 1997 um die Kapelle gekümmert.

Margrith Pfister-Kübler

kreuzlingen

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